Ausland

Theater für den Dialog

Zwischen Restauration, Revolution und den Herausforderungen des Krieges im Osten: das Theater in der Ukraine

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Kiew, im Dezember 2015. Der Maidan, einst Schauplatz des Ringens um Europa, liegt verlassen da. Nur die hinter einer riesigen Baufolie versteckte ausgebrannte Fassade des einstigen Gewerkschaftshauses schräg gegenüber dem Hotel Ukraina, in dem die auswärtigen Teilnehmer des von der European Theatre Convention (ETC) organisierten Austauschprogramms „Theatre, Freedom, Dialogue: European Networking with Theatres in Ukraine and Belarus“ untergekommen sind, weist auf die Kämpfe im Winter und Frühjahr 2013/14 hin. Der Blick vom Hotelfenster aus auf den Platz ist dramatisch aufgeladen: Hinter einigen der Fenster lauerten Scharfschützen, die in die Menge schossen. Anderthalb Jahre später beherrscht friedlicher Alltag das Areal.

Solides Stadttheater vs. experimentelle freie Szene – In dieser Hinsicht ist das ukrainische Theater in Europa angekommen, hier „A Dog’s cage“ vom frei arbeitenden Dach-Theater. Foto reor.to/Yurenev
Solides Stadttheater vs. experimentelle freie Szene – In dieser Hinsicht ist das ukrainische Theater in Europa angekommen, hier „A Dog’s cage“ vom frei arbeitenden Dach-Theater. Foto reor.to/Yurenev

Manch Aktivist des Maidan ist an den alten Arbeitsplatz zurückgekehrt. Jewgeni Nischtschuk, einst offizieller Sprecher des Maidan, ist nach einem zwölfmonatigen Intermezzo als Kulturminister der Ukraine wieder als Schauspieler in Kiews erstem Haus, dem Nationalen Akademischen Drama-Theater „Iwan Franko“, tätig. In diesem imposanten neoklassizistischen Bau mit der gleichfalls eindrucksvollen Personalausstattung von 1500 Angestellten spielt er gegenwärtig die Titelrolle in August Strindbergs Königsdrama „Erik XIV.“ Im postsowjetischen Kulturraum hat das Stück wegen Jewgeni Wachtangows Inszenierung in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution Kultcharakter. Stanislaw Moissejew, Regisseur der aktuellen Kiewer Fassung und künstlerischer Leiter des „Iwan Franko“, versteht das Stück um einen anfangs reformfreudigen und später tyrannischen Schwedenkönig als eine Mahnung an die politische Klasse, sich ihrer eigenen Grenzen und der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft immer wieder bewusst zu werden. „Enge Berater von Präsident Petro Poroschenko haben die Aufführung besucht“, versichert Moissejew im von der ETC organisierten Künstlergespräch nach der Vorstellung. Ob die Botschaft angekommen ist, werden die nächsten Jahre zeigen.

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