Gespräch

Was macht das Theater, Mudar Alhaggi?

von und

Mudar Alhaggi, wie geht es dem Theater in Syrien?
In der Hauptstadt Damaskus gibt es zwei Welten von Theater. Das große, offizielle Theater, in dem die Botschaften der Regierung von Bashar al-Assad verkündet werden. Es ist langweiliges Theater. Und dann gibt es Künstler, die die Revolution unterstützen. Sie können nicht offen agieren, weil Damaskus noch immer vom Regime kontrolliert wird. Also gehen sie in den Untergrund und machen Stücke von Harold Pinter und Samuel Beckett, in denen sie politische Aussagen verbergen.
Ganz anders ist die Situation in den Städten und Dörfern fern von Damaskus. Dort gibt es gänzlich neue Theaterformen, eine neue Generation von Theatermachern. Das Theater ist direkt aus der Revolution entstanden. Die Leute wollten am Ende der Demonstrationen noch ein Forum, auf dem sie sich austauschen können. So sind erste Theateraufführungen entstanden. In manchen dieser Aufführungen werden auch schon die neuen lokalen Regierungen kritisiert. Es ist ein Theater der neuen Staatsbürgerschaft.

Foto: Erik Altorfer
Foto: Erik Altorfer

Also schon die Keimzelle für ein neues Syrien?
Ja, das kann es bedeuten. Hier in Europa wird der Krieg in Syrien ja meist als Bürgerkrieg dargestellt. Natürlich gibt es Elemente davon. Aber eigentlich findet eine Revolution statt. Am Anfang war nur ein politischer Machtwechsel angestrebt. Inzwischen aber geht es um eine ganz neue Gesellschaft, um Gedankenfreiheit, um die Freiheit zur Wahl eines eigenen Lebenswegs. Meine Auffassung davon, dass es sich um eine Revolution handelt und nicht um einen Bürgerkrieg, wurde jetzt kurz nach den Verhandlungen zur Waffenruhe bestätigt. Kaum hatte man sich darauf geeinigt, gingen die Menschen wieder auf Demonstrationen.

Wie sehr hat sich die Gesellschaft schon verändert?
Es ist schwer, das zu beschreiben, weil so viel in Bewegung ist. Aber gerade, was die Rolle der Frauen in der Gesellschaft angeht, hat sich einiges getan.

In Ihrem neuen Stück „When Farah Cries“ beschreiben Sie eine junge Frau aus Damaskus, die zu Demonstrationen geht, das aber nicht nur vor ihrem Vater, sondern auch vor ihrem Freund verheimlicht, der selbst die Opposition unterstützt, aber eben nicht will, dass seine Freundin sich Gefahren aussetzt. Wie repräsentativ ist eine solche Geschichte?
Das Stück beruht auf einer wahren Geschichte. Ich kenne die Frau, der sie passierte. Und es ist auch eine typische Geschichte im gegenwärtigen Damaskus.

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