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Im Herzen eng

Robert Schuster über „KULA – nach Europa“ beim Kunstfest Weimar und das Ende der Welt, wie wir sie kennen, im Gespräch mit Jakob Hayner

von und

Eine Bühne auf der Bühne, die Reflexion des Lichts auf der metallischen Oberfläche wirft Muster und Schatten an die Wände, in der Mitte fünf leere Stühle. Die Stühle stehen für fünf abwesende Künstler. „KULA – nach Europa“ von Robert Schuster basierte auf der Kooperation eines deutschen, eines französischen und eines afghanischen Ensembles. Doch die afghanische Gruppe Azdar bekam keine Erlaubnis zur Einreise, die deutschen Behörden hatten angenommen, dass dessen Mitglieder in Deutschland einen Asylantrag stellen würden, und mit dieser Begründung den kulturellen Austausch verhindert. Azdar hatte 2014 die Produktion „Heartbeat: The Silence After the Explosion“ in Kabul herausgebracht, eine der Aufführungen wurde Ziel eines Terroranschlags. Das Ensemble wird von den Taliban bedroht und kann inzwischen nicht mehr auftreten, aber auch in Europa, wo diese Bedrohung nicht existiert, kann es nicht auftreten. Die Premiere am 1. September beim Kunstfest in Weimar musste ohne die Künstler aus Afghanistan stattfinden, einzig der Leiter von Azdar, Ahmad Nasir Formuli, der sich seit 2015 in Deutschland aufhält, stand auf der Bühne. „KULA – nach Europa“ ist weiterhin am Deutschen Nationaltheater Weimar zu sehen, außerdem wird das Stück in Mulhouse, Bochum, Baden, Chur und Freiburg aufgeführt.

Die Gegenwart verkümmert, weil keine Visionen und Utopien entwickelt werden – Robert Schuster befragt den Zustand Europas. Foto Michael Bamberger
Die Gegenwart verkümmert, weil keine Visionen und Utopien entwickelt werden – Robert Schuster befragt den Zustand Europas. Foto Michael Bamberger

Robert Schuster, Ihr Stück heißt „KULA – nach Europa“. KULA, das ist der Titel, aber auch die Grundmetapher. Was bedeutet das?
KULA ist ein Austauschprinzip in Papua-Neuguinea. Man fuhr von Insel zu Insel, schenkte sich etwas und erzählte sich die Geschichte des Geschenks. Darüber konnten Bindungen generiert werden. Das ist ein sehr altes Ritual. Das hat mich sehr fasziniert. Der Ausgangspunkt meiner Arbeit war, zu beobachten, was passiert, wenn ein französisches, ein deutsches und ein afghanisches Ensemble aufeinandertreffen. Ziehen sich alle auf ihre Nationalsprachen zurück, oder können wir zusammen spielen, bleiben wir im Spiel? Die Frage ist: Wie begegnen wir uns? Mit dem KULA-Prinzip bringt man anhand von Gegenständen etwas aus seinem Land und seiner Geschichte mit. Das war der Ausgangspunkt, und der ist es in einer gewissen Weise trotz aller Überschreibungen auch geblieben. Die Geschichten sind auch Geschichten von Verhinderungen, vom Nicht-Ankommen, und manche Geschenke oder Geschichten mussten auch vermittelt überbracht werden, in Abwesenheit. Dadurch ist der diskursive Teil dieses Abends wesentlich größer geworden, als wir das ursprünglich gedacht hatten.

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