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Künstler ohne Grenzen

Die Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft am Theater Vorpommern in Greifswald beschäftigt sich mit den Dramaturgien des Widerstands

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Aktueller und dringender hätte das gewählte Thema der Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft nicht sein können. Wie kann und soll sich das Theater angesichts der Konflikte in gespaltenen Gesellschaften verhalten? Wer ist wie fähig, bedrohten Künstlern aus anderen Ländern konkret zu helfen? Welcher Art von Organisation bedarf es dafür?

Die Journalistin Gemma Pörzgen von der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen berichtete über ihre Arbeit mit Beispielen konkreter Hilfe. Journalisten, die im Exil nicht arbeiten können, haben nicht nur die Heimat verloren, sondern auch ihren Beruf. Es müssen neue Formen von Arbeitsmöglichkeiten entwickelt werden, die in der Medienbranche freilich knapp bemessen sind und bislang auf Regelungen warten, die noch jenseits von Visafragen liegen. Fast nebenbei erwähnte Pörzgen in diesem Zusammenhang, dass hoch entwickelte Zensursoftware aus Deutschland exportiert wird, die nach ihrer Auffassung unter das Kriegswaffengesetz fallen sollte. Das Publikum bei dieser Tagung der Dramaturgischen Gesellschaft staunte angesichts dieser Infragestellung der scheinbaren Gewissheit, in einem zensurfreien Land zu leben.

Aufs Theater übertragen, lautete Pörzgens Forderung, dass man parallel zu Reporter ohne Grenzen eine ähnlich geartete NGO für bedrohte Künstler gründen müsse. Der entscheidende Punkt ist wiederum, wie konkrete Arbeitsmöglichkeiten aussehen könnten. Zwar haben die Theater im deutschsprachigen Raum in den vergangenen zwanzig Jahren über Partnerschaften und Koproduktionen viele Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit sammeln können. Aber diese waren in erster Linie vom Interesse am interkulturellen Austausch geprägt. Exilierten Künstlern zu helfen ist indes eine gänzlich andere Herausforderung. Da steht die Planungsschwerfälligkeit (je nach Art und Größe des Theaters) der nötigen Flexibilität für solche Aufgaben gegenüber, die gute Absicht den begrenzten Möglichkeiten. Die Idee einer solchen Organisation könnte sich mit dem Appell an die neue Bundesregierung vom September vergangenen Jahres verbinden, in dem Theaterleiter wie unter anderem Amelie Deuflhard, Shermin Langhoff und Thomas Ostermeier dazu aufriefen, die eigens dafür einzurichtenden Stellen und Projekte in den Theatern mit Bundesgeldern mitzufinanzieren. Was wegen der endlosen GroKo-Verhandlungen nicht weiter diskutiert wurde, jetzt aber dringend auf den Tisch gehört.

Eine umfassende Perspektive, wie die Grundlagen künstlerischer Freiheit in immer komplizierteren Verhältnissen sichergestellt werden können, gab im Rahmen einer vom ITI Deutschland organisierten Runde Srirak Plipat von Freemuse, einer Organisation, die weltweit Zensur und Verfolgung von Musikern auswertet. Plipat plädierte vor dem Hintergrund seiner reichen Erfahrung bei Freemuse dafür, dass man über die vielen und jeweils unterschiedlich gelagerten Einzelfälle hinaus, die der Aufmerksamkeit und Unterstützung bedürften, eine internationale Verrechtlichung der künstlerischen Freiheit erreichen müsse. Es ist „die Suche nach dem Schlupfloch in das gemeinsame Feld“, wie es die Südtiroler Autorin Maxi Obexer in ihrem nach kollektiven Anregungen entstandenen Greifswalder Manifest auf den Punkt brachte. Eine poetische Formel internationalen Anspruchs. //

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