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Zeit der Tintenfische

Philippe Parreno entwirft in seiner Ausstellung im Berliner Gropius Bau eine posthumane Zukunft

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Nicht, dass schon geklärt wäre, was wirklich realistisch ist oder was unsere Vorstellung für realistisch hält. Seit Erfindung der virtuellen Welt wird es nun noch komplizierter, verschwimmen die längst vereinbarten Grenzen von der Vorstellung dessen, was wahr und was eingebildet ist. Der französische Künstler Philippe Parreno mag deshalb Tintenfische, weil diese es nicht nur fertigbringen, die Umwelt auf ihrer Haut abzubilden, sondern möglicherweise auch später als Imagination zu reproduzieren. In seiner Kunst taucht dieses intelligente Lebewesen immer wieder auf. Auch in der Ausstellung im Berliner Gropius Bau war der Tintenfisch, wie viele andere seiner Arbeiten, erneut zu entdecken.

Fließende Choreografie – Philippe Parrenos „Pararäume“. © Philippe Parreno. Courtesy the artist, Pilar Corrias, Barbara Gladstone, Esther Schipper, Foto Andrea Rossetti
Fließende Choreografie – Philippe Parrenos „Pararäume“. © Philippe Parreno. Courtesy the artist, Pilar Corrias, Barbara Gladstone, Esther Schipper, Foto Andrea Rossetti

Philippe Parreno, 1964 in Oran (Algerien) geboren, gehört neben Ólafur Elíasson und Pierre Huyghe oder Dominique Gonzalez-Foerster zu den innovativsten Künstlern seiner Generation. Seine Ausstellungen werden weltweit gezeigt und erzeugen einen enormen Publikumssog, weil er nicht einzelne Werke, sondern das Ausstellungserlebnis an sich ins Zentrum seiner Arbeit stellt. Für Parreno sind Ausstellungen dramaturgische Räume, die einem erzählerischen Ablauf von verschiedenen Ereignissen folgen. International gefeiert wurde er 2013 mit seiner Ausstellung „Anywhere, Anywhere Out of the World“ im Palais de Tokyo in Paris, wo er allein ein riesiges Areal von 22 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche für seine traumwandlerischen Rauminszenierungen nutzen konnte. Auch für die Turbinenhalle der Tate Modern entwarf er 2016 einen Wahrnehmungsraum, in dem sich nicht nur die architektonischen Perspektiven von oben und unten verschoben, sondern auch die Grenzen zwischen künstlich geschaffener und wirklicher Welt auflösten. Seine Ausstellungen seien jetzt mehr „eine Art animistisches Projekt – etwas, das für alle Zeit, in allem Raum existieren will, das existiert, ohne lebendig zu sein“, sagt er im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist. Man bezeichne sie auch als einen wachsenden Organismus, der im Laufe der Zeit andere Formen annimmt und sich verändert. Im Gropius Bau wurde das erstaunlich wandlungsfähige Werk von Philippe Parreno zum ersten Mal einem größeren Publikum in Deutschland vorgestellt.

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