Stück

Im Strudel der Verweise

Fritz Kater über sein neuestes Stück „heiner 1– 4 (engel fliegend, abgelauscht)“ im Gespräch mit Thomas Irmer

von und

Fritz Kater, am 9. Januar jährte sich der Geburtstag Heiner Müllers zum 90. Mal. Rund zwei Wochen später folgte die Uraufführung Ihres vierteiligen Stücks „heiner 1– 4“ am Berliner Ensemble. Eine Geburtstagshommage?
Ich schreibe keine Theaterstücke, weil jemand gerade Geburtstag hat. Es gab aber eine Absprache mit dem Berliner Ensemble, mit der Chefdramaturgin Sibylle Baschung, ob ich nicht was schreiben könnte, zu Berlin oder irgendetwas in der Art. Und dann dachte ich, wenn schon BE, dann BE und nicht Berlin, und wenn BE, dann natürlich Müller. Normalerweise bin ich in vier Wochen fertig, in diesem Fall brauchte ich anderthalb Jahre. Ein sehr langwieriger Prozess. Weil ich das noch nie gemacht habe, über eine mir bekannte Person zu schreiben. Neben Einar Schleef ist er für mich der wichtigste schriftstellerische Einfluss nach 1945 aus Deutschland. Abgesehen davon hab’ ich ihn besser gekannt und mehr Zeit mit ihm verbracht als mit Einar Schleef.

„heiner 1-4“ von Fritz Kater in der Regie von Lars-Ole Walburg (Berliner Ensemble 2019). Foto Matthias Horn
„heiner 1-4“ von Fritz Kater in der Regie von Lars-Ole Walburg (Berliner Ensemble 2019). Foto Matthias Horn

Es dürfte viele verschiedene Ansätze geben, ein Stück über Heiner Müller zu schreiben. Was war Ihr erster Impuls dafür?
Mir ist diese letzte Phase in seinem Leben aufgefallen, als eine unglaublich dramatische Zeit. Als er sechzig Jahre alt war, genau in dem Jahr 1989, als er sich danach noch einmal in eine junge Frau verliebte, mit dieser Frau ein Kind bekam, gleichzeitig Intendant des Berliner Ensembles wurde und während dieser Zeit in eine ganz große Krise geraten ist, als er als IM, als Mitläufer und Stasi-Denunziant denunziert wurde. Und dazu kam sein größtes dramatisches Problem als Künstler: Er hat sieben Jahre lang kein Stück mehr schreiben können. Diese Schreibhemmung in ihrer ganzen Komplexität ist für mich der zentrale Anlass zum Schreiben gewesen. Er war ja der Meinung, dass die Zeit für ihn damals rückwärtsgesprungen sei. In einem Salto rückwärts, zurück vom Sozialismus in den real existierenden Kapitalismus und das war für ihn ein Riesenproblem. Ich selbst hatte in den letzten Jahren andere Probleme, aber keine Schreibhemmung, trotz der Zeit, die es dann gebraucht hat. Mich hat wirklich die Figur als Theaterfigur interessiert. Natürlich mit dem Mehrwert, dass man viel von dem, was er gelebt hat, koppeln kann mit dem, was er geschrieben oder gesagt hat. Müllers Texte selbst sind ja immer aus persönlichen Erfahrungen und Krisen entstanden.

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