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Die Bühne spricht

Katrin Brack über Pollesch, Hitchcock und das Eigenleben ihrer Bühnen. Ein Gespräch anlässlich der Verleihung des Hein-Heckroth-Preises mit Dorte Lena Eilers

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Katrin Brack, in René Polleschs „Carol Reed“, einer Ihrer jüngsten Arbeiten am Burgtheater Wien, werden Sie bezichtigt, das Bühnenbild geklaut zu haben. Die Schauspieler betreten die Bühne und sind total perplex. „Mon Dieu, wo ist denn das Bühnenbild!?!“, fragt Martin Wuttke. Birgit Minichmayr hat sofort Sie in Verdacht: Madame Brack hat es mitgehen lassen.
Genau, sogar mein Name fällt (lacht). Da war ich ganz schön baff. Natürlich kenne ich das aus anderen Pollesch-Stücken. Da wird alles zum Material, alles wird verhandelt, auch das Bühnenbild: Ist es das richtige oder das falsche? Aber so ausführlich habe ich es noch nicht erlebt. Ich habe ihn anfangs sogar gebeten, diese Passa­gen etwas zu reduzieren. Seine Stücktexte entstehen ja während der Proben. Stattdessen hat er zusätzlich meinen Namen eingefügt. Ungewohnt! Aber spannend. Eine ganz neue Erfahrung.

Foto: Katrin Brack
Foto: Katrin Brack

Sie haben mit Regisseuren wie Dimiter Gotscheff und Luk Percevalgearbeitet. „Carol Reed“ ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Pollesch. Wie verlief diese Kollaboration?
René hat zu mir gesagt: Mach ein Bühnenbild. Weiter nichts. Für ihn ist ja jeder autonom, die Kostümbildnerin, die Schauspieler, die Beleuchter … Auch das war für mich neu, gleichzeitig aber wahnsinnig toll, weil es einem eine unglaubliche Freiheit gibt. Ich habe ihm vorgeschlagen, mit den Scheinwerferbrücken, die norma­lerweise nie zu sehen sind, zu arbeiten. An diesem Punkt haben wir uns, glaube ich, getroffen: Meine Materialien kommen oft aus dem Theater.

Die Scheinwerfer existieren bereits im Theater, nur werden sie nie so eingesetzt wie bei Ihnen.
Genau. Ich habe sie schon einmal bei „Krankenzimmer Nr. 6“ am Deutschen Theater Berlin verwendet. In Wien allerdings gibt es eine ganz andere Ausgangssituation. Bei „Krankenzimmer Nr. 6“ waren es neun verschiedene Scheinwerferbrücken, die sich unterschiedlich bewegt haben, immer sehr langsam, sie wurden von den Schauspielern auch oft nicht beachtet. Bei „Carol Reed“ hingegen sind es drei Züge, die genauso breit sind wie das Portal, riesige Konstrukte, die sich eher schnell bewegen. Die Schauspieler interagieren mit ihnen, sprechen sie sogar an.

„Die Movinglights schütteln die Köpfe“, heißt es in den Regie­anweisungen. Martin Wuttke fühlt sich von ihnen verfolgt.
Sie bekommen etwas sehr Menschliches, und trotzdem sind sie zweifelsohne Maschinen.

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