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Heraus aus den Halbkreisen der Selbstvergewisserung

Die Freiheit der Kunst war das bestimmende Thema auf dem flausen+bundeskongress#2 im Freien Werkstatt Theater in Köln

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Von einem glücklichen Zufall zu sprechen verbietet sich natürlich von selbst. Trotzdem hat der „Offene Brief zur Situation in Dresden“, den das Landesbüro Darstellende Künste Sachsen e. V. am 6. Februar 2019 veröffentlicht hat, dem zu ebendiesem Zeitpunkt im Freien Werkstatt Theater statt­findenden flausen+bundeskongress#2 eine zusätzliche Dringlichkeit verliehen. Während in Köln Theatermacher aus Deutschland und dem Ausland unter dem doppeldeutigen ­Motto „The Politics of Art“ über die Gefährdungen wie über die Möglichkeiten der freien Szene in einer Welt gesprochen haben, in der populistische Strömungen immer stärkeren Einfluss gewinnen, hat sich im Rat der Stadt Dresden eine neue bürgerlich-konservative Allianz formiert, die mit der Unterstützung der AfD-Stadträte eine längst beschlossene Erhöhung der Fördermittel für Projekte aus den Bereichen kommunale Kultur, Soziales und Gleichstellung zurücknehmen wollte und dies dann am 8. Februar zumindest in Teilen auch getan hat.

Foto: Robin Junicke
Foto: Robin Junicke

Die auf dem flausen-Kongress geführten Diskussionen bekamen durch die Entwicklungen in Dresden eine klare Stoßrichtung. „Die Brüsseler Erklärung wurde am 1. Juli 2018 erdacht, und ich hätte nicht gedacht, dass es jetzt schon so schnell in Deutschland Tendenzen geben würde, die diesen Appell für die Freiheit der Kunst nötig machen.“ Diese Beobachtung, die der Bundestagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) und Mitinitiator der „Brüsseler Erklärung“ Erhard Grundl im Rahmen einer Paneldiskussion mit dem Titel „Zwischen Freiheit und Auftrag – die Kunst in unsicheren Zeiten“ gemacht hat, wurde zur Mahnung. Die Zeiten, in denen sich die freie Theaterszene aus den alltäglichen politischen Debatten in den Stadträten und Landesparlamenten heraushalten konnte, sind vorbei. Darüber herrschte während des Kongresses große Einigkeit. In politisch unsicherer werdenden Zeiten, in ­denen Theateraufführungen von Identitären gezielt gestört und Förderungen für freie Gruppen vonseiten der AfD durch parlamentarische Anfragen wie etwa in Hamburg nachhaltig infrage gestellt werden, wird eine städte- und länder­übergreifende Zusammenarbeit freier Theater und Künstler immer wichtiger. Und genau an diesem Punkt setzt das von dem Oldenburger Theatermacher Winfried Wrede ins Leben gerufene flausen-Projekt an.

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