Gespräch

Was macht das Theater, Sonja Laaser?

von und

Frau Laaser, sind angesichts der Kolonial­geschichte alle weißen Europäerinnen und Europäer Rassisten?
Nein. Ich sage nicht, dass wir Rassisten sind, sondern frage, ob unsere Gesellschaft ein strukturelles rassistisches Thema hat. Man muss unterscheiden: Ist eine Aussage rassistisch oder ist der, der sie macht, rassistisch? Nicht jeder, der sich einmal rassistisch äußert, ist auch ein Rassist. Aber die Aussage ist gegebenenfalls ein Ausdruck dieser rassistischen Strukturen.

Foto: Frank Eidel
Foto: Frank Eidel

Inwieweit kann man diesem strukturellen Rassismus mit einer Vertragsklausel begegnen?
Dass man das kann, ist auf jeden Fall Julia Wisserts und meine Überzeugung bei der Klausel. Aufklärung hilft! Mir haben Workshops, Bücher etc. geholfen, einen anderen Blick auf die eigenen Denkmuster zu bekommen. Wenn ich aus einer Gesellschaft komme, in der strukturell rassistische Denkmuster existieren, muss ich erst einmal eine Außenperspektive einnehmen, um das zu erkennen. In dieser Hinsicht funktio­nieren Workshops sehr gut.

Die Klausel setzt zwar an einem anderen Punkt an. Aber kann sie auch etwas an der Situation ändern, dass Hauptrollen auf deutschsprachigen Bühnen meist von weißen Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert werden?
Die Art und Weise, in der Rollen besetzt werden, hat auf jeden Fall eine starke Außenwirkung. Die Klausel dockt natürlich erst einmal an einen Bereich an, der eher betriebsintern ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass jemand in dem Moment, in dem er für die bestehenden Strukturen sensibilisiert wird, nicht nur diesen einen Bereich anders wahrnimmt. Er wird im Ganzen wacher für das Thema und fängt an, Entscheidungen, gerade auch Besetzungsentscheidungen, stär­ker zu reflektieren. Das ist zwar nicht die Hauptintention der Klausel, aber ein Nebeneffekt, der sich meiner Ansicht nach zwangsläufig ergeben wird.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Die Situierung des Betrachters

Beim PAP-Branchentreff im Theaterdiscounter Berlin diskutieren die freien darstellenden Künste den schillernden Begriff der Qualität

Paderborn: Dreimal Tod

Theater Paderborn: „In weiter Ferne“ von Caryl Churchill. Regie Robert Teufel, Ausstattung Rebekka Zimlich

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler