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Protagonisten

Aus der Perspektive starker Frauen

Schauspielchefin Anna Bergmann überlässt in Karlsruhe ausschließlich Frauen das Regiepult – ein Zeichen für die Gleichheit der Geschlechter

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Kunstfiguren im ästhetischen Nichts der Medienwelt − Ute Baggeröhr in Sláva Daubnerovás Inszenierung von Elfriede Jelineks „Am Königs- weg“ am Staatstheater Karlsruhe (2018). Foto Felix Grünschloß
Kunstfiguren im ästhetischen Nichts der Medienwelt − Ute Baggeröhr in Sláva Daubnerovás Inszenierung von Elfriede Jelineks „Am Königs- weg“ am Staatstheater Karlsruhe (2018). Foto Felix Grünschloß

Das konsequent weibliche Konzept der Karlsruher Schauspielchefin Anna Bergmann war sogar der New York Times einen Bericht wert. Seit September führen am Badischen Staatstheater nur Frauen Regie. Dass ihr deutliches Zeichen im Zuge der #MeToo-Debatte für so viel Aufsehen sorgen würde, hatte die profilierte Opern- und Schauspielregisseurin nicht erwartet. Mit ihrem Team will sie in ihrer ersten Spielzeit „ein Zeichen setzen für die Gleichheit der Geschlechter“. Und die ist im hierarchisch strukturierten Theaterbetrieb noch lange nicht durchgesetzt. Nach einer Statistik des Vereins Pro Quote Bühne stammen rund siebzig Prozent der Inszenierungen von Männern. Mit stilprägenden Regisseurinnen und vielversprechenden Talenten der deutschen und europäischen Theaterszene präsentieren Bergmann und ihr Leitungsteam zudem einen Spielplan, der auch durch Autorinnen und starke Frauenrollen aufhorchen lässt.

„Wir versammeln starke, ästhetisch sehr unterschiedliche Regiehandschriften am Haus“, sagt Anna Bergmann, deren Theaterfassung des Filmstoffs „Persona“ von Ingmar Bergman als eine der zehn besten Inszenierungen im deutschsprachigen Theater im Mai zum Theatertreffen in Berlin eingeladen ist. Diese herausragende Arbeit hat sie am Deutschen Theater Berlin als Kooperation mit dem Stadsteater Malmö inszeniert. Mit der Ibsen-Überschreibung „Nora, Hedda und ihre Schwestern“ der Dramatikerin Ulrike Syha hat sie zum Auftakt ihrer Schauspieldirektion in Karlsruhe die selbstbewussten Frauenfiguren des Norwegers aus weiblicher Perspektive neu betrachtet. Sie befreien sich aus den Fesseln eines Patriarchats, das auf Katharina Faltners klug strukturierter Simultanbühne anachronistisch wirkt. Doch die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, fällt den Protagonistinnen schwer. Ihre Kämpfe um eine würdige Existenz bringt Bergmann mit einem Ensemble junger Schauspielerinnen und Schauspieler und mit erfahrenen Ensemblemitgliedern auf die Bühne, die eines gemein haben: die Lust, sich auf neue ästhetische Konzepte einzulassen.

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