Kolumne

Fahrstuhlmusik

von

Jetzt wird das Wort abgeschafft. Wieder einmal. Das hörbare Wort zumindest, das durchhörbare, aber nicht ständig durch­gehörte Wort. Das Durchhören spielt in der Argumentation von öffentlich-rechtlichen Anstalten also bereits eine untergeordnete Rolle, wo doch bisher die Quote, das Durchhören und die Über­alterung des Publikums alle Augenblicke angebracht wurden, um Mainstream durchzusetzen. Es war der Imperativ formaler Gleichmacherei, die immer schon zulasten des Wortes ging.


Das Argument ist diesmal die Jugend. Die neuen Hörerinnenschichten, die es angeblich nur im Netz gibt, das keine Linearität ­aufweist und immer sofort kundgibt, was die Menschen eigentlich wollen, wobei das immer nur das ihnen Gleichende sein soll. Die Podcastseligkeit der Sender der letzten Jahre war schon bemerkenswert. „Digital first!“, heißt jetzt die Devise, ja, wenn es nur so wäre! Der Verdacht, dass es nicht wirklich um Digitalisierung, sondern um Einsparung durch Digitalisierung geht, drängt sich auf – absurderweise. Denn eigentlich sollte bekannt sein, dass die Online-Betreuung teuer und aufwendig ist. Es ist die Art und Weise, wie hier eine agonale Rhetorik des „digital vs. analog“ oder „jung vs. alt“ angewandt wird, die aus Kürzungsargumentationen bekannt ist, unter dem Motto: Der Kuchen reicht nicht für alle, obwohl das doch genau der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist. Dazu kommt die Vermutung, dass reine Online-Beiträge redaktionell geringere Wertigkeit haben könnten als die gesendeten. Und es bleibt zu bezweifeln, ob Online-Produktionen auf dieselben finanziellen Möglichkeiten zurück­greifen können wie die traditionell gesendeten.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Deutsch-deutsche Asymmetrien

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, über die Erfindung des Ostdeutschen und koloniale Aspekte der Wiedervereinigung im Gespräch mit Anja Nioduschewski

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler