Künstlerinsert

Hacken für das Theater

Die CyberRäuber kreieren Hyperbühnen, in denen sich virtuelle und erweiterte Realität sowie künstliche Intelligenz mit konventionellem Theater verbinden

von

"Das CyberTheater", Schauspiel, Regie und Gesang live und global im Internet. Fotos CyberRäuber
"Das CyberTheater", Schauspiel, Regie und Gesang live und global im Internet. Fotos CyberRäuber

Marcel Karnapke und Björn Lengers reisen mit leichtem Gepäck. Zu den Proben von „Prometheus Unbound“, ihrem Mitte Dezember am Landestheater Linz zur Uraufführung kommenden Stück über den antiken Technologie-Pionier, packt Karnapke ein paar Tablet-Computer, sein Laptop, eine 360-Grad-Kamera und diverse Kabel und Akkus ein. Alles hat Platz in einer großen Plastiktüte vom Baumarkt. „Gute Projektoren haben die Theater meistens schon selbst. Was wir für die Bühne brauchen, passt tatsächlich hier rein“, meint Karnapke, studierter Medienkünstler, später Forschungsassistent in Cambridge und aktuell Entwickler für VR- und AR-Anwendungen*, trocken. Ähnliches gilt für die Software. „Viele Programme und Apps sind Open Source“, ergänzt Björn Lengers, eigentlich gelernter Kaufmann, schließlich Gründer eines Unternehmens für Datenanalyse und seit 2016 CyberRäuber. Beide zeichnet eine wohl einzigartige Mischung aus Technologieaffinität, Pioniergeist, Pragmatismus und Liebe zum Theater aus.

Clou ihrer ersten Arbeit für ein Theater, einer Virtual-Reality-Version von Friedrich Schillers „Die Räuber“ am Deutschen Theater in Berlin, war, dass man im digitalisierten Foyer des Hauses herumwandeln und dort auf Stückfiguren treffen konnte. Man konnte sich zwischen Franz und Amalia stellen und sogar in ihre digitalen Silhouetten schlüpfen – aus der Perspektive des einen auf den anderen blicken. Multiperspektivität ist ohne Frage ein großer Vorteil des Theaters im virtuellen Raum.

Die Raumerfahrung selbst ist ein weiterer. Für „Memories of Borderline“, eine VR-Auskopplung der zum Theatertreffen 2017 eingeladenen Inszenierung „Die Borderline Prozession“ von Kay Voges, scannten die CyberRäuber das komplette Theater in Dortmund. Der Laserscan erfasste den Bühnenraum, alle Kulissen, das Zuschauerpodest und diverse Innenräume. In diesem virtuellen Universum konnte man sich auch in der Vertikalen bewegen. In einzelnen Räumen fanden Szenen aus der „Borderline Prozession“ statt. Es war der Versuch einer künstlerischen Fortschreibung der Inszenierung in einem anderen Medium. Schöner Nebeneffekt ist, dass die Daten des Laserscans der Bühne mittlerweile im Rahmen von Coding da Vinci als Open Source zur Ver­fügung stehen – als erstes Bühnenbild überhaupt in diesem sonst meist von Museen genutzten digitalen Archiv.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Staging Postdemocracy

Wir lebten in postdemokratischen Zeiten, die gewählten Strukturen hätten ihre Macht…

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann