Look Out

Erfolgreich und etwas größenwahnsinnig

Die Netzwerkgründer von Cheers for Fears entwerfen in ihrem Labor neue Formen künstlerischer Zusammenarbeit

von

Fehlende Vernetzung, eine unterentwickelte Kultur des Feedbacks und des (analogen) Sprechens: So lautet die bittere Diagnose, die am Anfang von Cheers for Fears stand. Selbst Studierende der Ruhr-Universität ­Bochum am Institut für Theater­wissenschaft mit Schwerpunkt Szenische Forschung, begründeten Jascha Sommer und Johanna Yasirra-Kluhs 2013 deshalb eine mobile Akademie. Ein begehrtes und lang erwartetes ­Nischenprodukt, wie sich bald herausstellt, denn Nordrhein-Westfalen bietet jungen Menschen nicht nur eine Vielzahl an künstlerischen Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten, sondern konfrontiert sie auch mit einer nahezu unüberschaubaren Landschaft aus Institutionen, Produktionsstätten und Fördermöglichkeiten.

Foto: Christine Hermann
Foto: Christine Hermann


„Say it loud, lost and proud, cheers for fears“ wird die Parole und schenkt der Initiative ihren Namen, unter dem sie bis heute firmiert. Ihre Macher beginnen mit der Organisation von stammtischartigen Begegnungen. An den zahlreichen Akademien und Universitäten sondieren Kontaktstudierende Themen und Stimmungen. In Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr – der der Initiative auch die notwendige Infrastruktur ermöglicht –, dem FFT Düsseldorf, den Theatern in Oberhausen und Dortmund entstehen Werkschauen und Festivals in Nord­rhein-Westfalen, die für die jungen Kunstschaffenden den notwendigen Freiraum herstellen, um Kontakte zu knüpfen und sich etablieren zu lernen.

Immer ist ein gemeinsamer Workshop der Ausgangspunkt für Symposien, Werkschauen und Festivals. Daraus ergibt sich auch die kluge Beschränkung auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen: Sie ist dem Pragmatismus geschuldet, die Beteiligten ausgiebig und unkompliziert, aber auch buchstäblich an einen Tisch bringen zu können. Denn jeder kann irgendetwas besonders gut, jeder lernt etwas vom anderen – das ist die ­ambitionierte wie mutige These, die der Entwicklung von originellen und vielfältigen Formaten voransteht. Und das Konzept eines horizontalen Austausches wird belohnt: Zu den langjährigen Förderern gehören das Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Kunststiftung NRW. Seit 2018 profitieren Cheers for ­Fears zudem von einer beruhigenden Dreijahresförderung, die mit projektbezogenen lokalen Mitteln kombiniert wird. Das ermöglicht eine hohe Projektdichte. Im März waren Cheers for Fears mit dem Symposium „Staging Complexity. Labor zu Kunst und Theater im digitalen Zeitalter“ in der Akademie für Theater und Digitalität am Theater Dortmund zu Gast, um über Visionen und Ängste in digitalen Zeiten zu reflektieren. Im Mai wird in Köln in Kooperation mit dem Kölner Literaturverein Land in Sicht zum vierten Mal das Auftakt Festival stattfinden. Unter der Formel „Zeigen, Wissensaustausch, Zusammenarbeiten“ werden in zwei parallelen Ausschreibungen bundesweit vier Texte mit szenischem Potenzial gesucht und aus Bewerbungen aus den Bereichen Performance, Theater, Musik, bildende Kunst und Medienkunst zwanzig Teilnehmer rekrutiert, die in möglichst heterogenen Gruppen zusammen­kommen sollen. Moderatoren begleiten den kompakten Entstehungsprozess der geplanten Aufführungen.

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