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Dramatik in Zeiten der Unsicherheit

Der Heidelberger Stückemarkt betritt mit virtuellen Lesungen Neuland – was leider kein Ersatz für eine umfassende Förderung von Autorinnen und Autoren ist

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Auf dem geteilten Bildschirm sind fünf Schauspielerinnen und Schauspieler mit Schutzmasken zu sehen. Nach wenigen Augenblicken nehmen sie ihre Mund- und Nasen­bedeckung ab, lesen aus Sören Hornungs „Arche Noa – Das Ende vom Schluss“. In dem Drama geht es um einen Nebel, der alle Menschen tötet. Die letzten Überlebenden haben sich in einem Supermarkt versammelt. „Diesem Nebel ist es egal, woher wir kommen und wer wir sind“, sagt Simone, die Aushilfe. In der zerfallenden Welt hat sie plötzlich Macht über Supermarktregale und Menschen. Mit dem Stück hat Hornung den diesjährigen Chemnitzer Dramatikerpreis gewonnen. In dem dystopischen Text gibt er einer Genera­tion eine Stimme, die den Boden unter den Füßen verliert.

Foto: Screenshots Theater Heidelberg
Foto: Screenshots Theater Heidelberg

Lange bevor die Coronakrise die Welt veränderte, schrieb der junge Autor sein Endzeitdrama, das in diesem Jahr als eines von sechs deutschsprachigen Stücken für den Heidelberger Stückemarkt nominiert war. Wie so viele Festivals fiel auch dieses der Pan­demiebekämpfung zum Opfer. Stattdessen übertrug das Theater und Orchester Heidelberg die Lesungen der Nominierten über die Festival-Homepage per Stream. Obwohl das reibungslos klappte, war die Netzversion letztlich nur Ersatz. Für den Intendanten ­Holger Schultze dennoch ein Kraftakt, da auch gemeinsame Proben im Theater nicht möglich waren. „Zumindest dieses Herzstück des Wettbewerbs wollten wir dem Publikum bieten“, sagt der Intendant, dem die erste Absage des bedeutenden Festivals seit seiner ersten Auflage 1984 sichtlich schwerfiel.

Nicht nur der intensive Austausch der Dramatikerinnen und Dramatiker aus deutschsprachigen Ländern und aus dem Gastland Litauen fehlte. Auch die Gastspiele internationaler Bühnen mit neuer Dramatik fielen flach.

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