Gespräch

Was macht das Theater, Peter Schneider?

von und

Foto: Jens Dörre
Foto: Jens Dörre

Peter Schneider, wie Ihre Kollegin Julischka ­Eichel haben auch Sie in einem Brandbrief auf die schwierige Lage freischaffender Schauspieler aufmerksam gemacht. Warum ist sie so besonders kompliziert?

Weil wir sozialversicherungsrechtlich zwischen zwei Welten schweben. Ein Großteil der freischaffenden Schauspieler ist nicht ­soloselbstständig, sondern immer nur kurz­fristig beziehungsweise unständig bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt. Dadurch können wir uns in den seltensten Fällen einen Anspruch auf ALG1 erarbeiten, denn dafür müsste man auf 360 versicherte Tage innerhalb von zwei Jahren kommen. Und das schafft kaum jemand, der als Gast am Theater arbeitet. Selbst wenn man beispielsweise mit 80 versicherten Tagen im Jahr verhältnismäßig viel dreht, wäre man 280 Tage lang nicht versichert. In diesen Zwischenzeiten haben wir in der Krankenversicherung die gleichen Kosten wie ein selbstständiger Handwerker zu tragen, aber in der Regel kein Einkommen. In die Renten- und Arbeits­losenversicherung wird in dieser Zeit meist gar nichts eingezahlt.

In die Künstlersozialkasse kommen Sie nicht?

Nein, das wäre das System, das für uns ­zuständig wäre, wenn wir selbstständig agieren und Rechnungen schreiben dürften. Wir wären dann das ganze Jahr durchversichert, und unsere Zahlungen plus die staatlichen Zahlungen der „Arbeitgeberanteile“ würden auch die Lücken in der Rentenversicherung schließen, die dazu führen, dass man als freischaffender Schauspieler oft noch nicht mal einen Anspruch auf die Mindestrente erwirbt.

Sie sagten, einem Großteil der freien Schauspieler gehe es so. Gibt es Ausnahmen?

In den freien Gruppen gibt es oft Rechnungssteller, oder es werden projektgebundene GbRs gegründet, aus denen heraus einzelne Mitglieder selbstständig agieren dürfen und dadurch auch in die KSK kommen.

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