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Ode ans Objekt

Das CircusDanceFestival Köln versteht sich als Motor für die Entwicklung des zeitgenössischen Zirkus

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Foto: Stephan Glagl
                                                         Foto: Stephan Glagl

Das Aufatmen war deutlich zu spüren. Die erste Corona-Welle hatte das für 2020 geplante CircusDanceFestival in Köln unmöglich gemacht. Ein Jahr später fand es nun statt: in einem echten Zelt mit echtem Publikum, wenngleich pandemiekonform in geringerer Zahl.

Bei den vorgestellten Produktionen – nicht alle waren tatsächlich live zu erleben, manche wurden in digitaler Fassung oder in der Ersatzform eines Gesprächs präsentiert – fiel die Bedeutung von Objekten auf. Hier ist der Zirkus, der traditionelle wie der klas­si­sche, dem Tanz und auch dem Theater weit voraus: Welcher Tänzer, welche Schauspielerin entwickelt zu einem Bühnenobjekt jene enge Beziehung, die ein Jongleur zu seinen Bällen und eine Seiltänzerin zu ihrem Seil findet? Objekte werden nicht gleich zu Subjekten. Aber ihre Geheimnisse gilt es zu erkunden. Wie verhalten sie sich in der Luft, wie gibt das Seil nach, wo sind die Umkehrpunkte?

Eine Ode ans Objekt war daher auch die Eröffnungsproduktion des Festivals, „Circu­lar Vertigo“. Das wichtigste Bühnen­element bildete ein Halbrund aus schmalen Spiegeln in unterschiedlicher Höhe. Sie wirkten wie eine ins Vertikale gekippte Klavier­tastatur. Zu Klavierklängen bewegte sich davor die Tänzerin Mijin Kim. Sie zitierte Bewegungssequenzen von Pferden – und rief so vor dem inneren Auge plötzlich die Manege des traditionellen Zirkus wach, das Rund, gefüllt mit Menschen, Tieren, Sensationen. Später kam noch ein Pauschenpferd dazu. Es schwebte unterm Chapiteau, kreiste um die Tänzerin und wurde dann, am Boden angelangt, seinerseits von der Tänzerin umkreist. Am Ende sind die Verhältnisse getauscht: Kim hängt am Seil und schwebt, das Pauschenpferd steht unten. Und natürlich denkt man, dass es schaut.

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