Thema

Umzug als Chance

Überlegungen zur neuen Präsentation der Puppentheatersammlung Dresden

von

Ende 2022 wird die Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ihr neues Domizil in einem ehemaligen Heizkraftwerk in der Dresdner Innenstadt beziehen und voraussichtlich ab Herbst 2023 dort Ausstellungen präsentieren. Dr. Kathi Loch betreut als Projektleiterin alle kreativen, kommunikativen und organisatorischen Prozesse rund um diesen Umzug und fragt, inwiefern der „Neustart“ genutzt werden kann, um vielfältige Barrieren abzubauen.

Foto: Tor vor dem Umbau des "Lichtwerks" im Dresdner Kulturareal "Kraftwerk MItte" 2019  Dresden. Foto: Frank Höhler/ Copyright: Stattliche Kunstsammlungen
Foto: Tor vor dem Umbau des "Lichtwerks" im Dresdner Kulturareal "Kraftwerk MItte" 2019 Dresden. Foto: Frank Höhler/ Copyright: Staatliche Kunstsammlungen


Die Zukunft verspricht Sichtbarkeit und Zugänglichkeit: In der Südfassade des „Lichtwerks“ im Dresdner Kulturareal „Kraftwerk Mitte“ klafft ein Tor von fast sieben Metern Breite und zehn Metern Höhe, ursprünglich verschlossen durch eine bewegliche Stahlwand. Diese wurde inzwischen herausgefahren und an ihrer Stelle werden bald eine große Glasfront und, auf Straßenniveau, ein Windfang eingebaut. Das Portal am neuen Standort: monumental, transparent, nicht zu übersehen. Das sind also gute Aussichten für eine Sammlung, von der in den letzten Jahren nur Bruchteile der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. Doch ist es mit einer willkommen heißenden Eingangssituation schon getan?

Barrierearmut in Architektur und Ausstellung

Es wäre schön, wenn die Puppentheatersammlung im Kraftwerk Mitte ein inklusiver Ort mit möglichst wenigen Barrieren sein könnte. Aber machen wir uns nichts vor: Barrierefreiheit ist eine Utopie und selbst die Schaffung von Barrierearmut wird für uns Planer*innen, Gestalter*innen, Wissenschaftler*innen und Vermittler*innen eine Herausforderung darstellen, der wir uns aber sehr gern partizipativ mit verschiedenen Zielgruppen stellen werden. Diesbezügliche Überlegungen fangen schon bei der Architektur an, denn ganz ohne Stufen kommt auch das neue Gebäude nicht aus. Raumdramaturgie und Gestaltung müssen also berücksichtigen, dass zwar die meisten Menschen die Ausstellungshalle über Treppen erreichen werden, einige aber an anderer Stelle über einen Aufzug. Immerhin werden im Ergebnis alle Besucher*innen Zugang zu allen öffentlichen Bereichen haben.

Während wir mit den baulichen Gegebenheiten kreativ werden umgehen müssen, ist unser Spielraum bei der Ausstellungsgestaltung natürlich wesentlich größer. Hier kommt es darauf an, etwaige Barrieren schon früh zu antizipieren und zu eliminieren – um hinterher nicht aufwändig nachrüsten zu müssen. Ebenfalls wichtig: In der Planungsphase nicht nur über Menschen mit Behinderungen reden, sondern auch direkt mit ihnen! Auf einige grundlegende Dinge sollten wir allerdings auch von allein kommen: Texte in der Ausstellung beispielsweise müssen kurz und in verständlicher Sprache geschrieben und in großer, kontrastreicher Schrift gesetzt sein. (Das klingt simpel, ist aber keine Selbstverständlichkeit in deutschen Museen!) So gibt es viele Möglichkeiten, Ausstellungen barrierearm zu gestalten. Manche sind gar nicht aufwändig, manche aber eben doch mit Investitionen verbunden. Ressourcenbedingte Priorisierungen werden sich am Ende nicht vermeiden lassen. Das Motto lautet indes: „Inklusion kann überall anfangen, hört aber nie auf. […] Selbst wenn inklusive Prozesse nie wirklich abgeschlossen sind, lohnt sich jeder kleine Schritt.“1 Alles, was geht, hilft also und kommt zudem oft mehr als nur einer Besucher*innengruppe zugute. Verständliche Texte etwa liest jede*r gern. Viele Maßnahmen für Besucher*innen mit Behinderungen stärken zusätzlich das Bewusstsein dafür, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Zugänge zu den Inhalten einer Ausstellung benötigen. Diversität bekommt damit etwas Selbstverständliches. Das ist zum Beispiel schon jetzt ganz hervorragend im konsequent inklusiven Kinder-Museum des Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu beobachten.

Barrierefreie Vermittlung

Auch nach Eröffnung unserer Ausstellungen werden wir kontinuierlich daran weiterarbeiten, Inklusion zu verwirklichen. Zum Glück haben wir dafür Kolleg*innen wie Ramona Nietzold an unserer Seite. In der Abteilung „Bildung und Vermittlung“ der Staatlichen Kunstsammlungen ist sie zuständig für die Koordination von Barrierefreiheit und Inklusion und kümmert sich somit auch um barrierefreie Vermittlungsangebote. Sie weiß genau, wie man auch über die in der Ausstellung schon verwirklichten Maßnahmen hinaus spannende Formate gestalten kann. Taktile Elemente etwa, wie Materialproben und 3D-Pläne, sind sowohl für blinde und sehbehinderte Menschen als auch für solche mit Demenz wichtig. Wenn es nicht möglich ist, sie fest in der Ausstellung zu installieren, können diese Materialien auch als „Special Tools“ in Führungen zum Einsatz kommen. Oder der Multimedia-Guide der SKD: Er kann mit einer Führung in Gebärdensprache oder einer Audio-Führung, die Exponate beschreibt und Hinweise zur Orientierung im Raum gibt, gefüttert werden.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Das Gedächtnis des Theaters

Tote Materialien gibt es nicht – Ein Vierteljahrhundert war Hans Rübesame Archivleiter des Deutschen Theaters Berlin

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Dorte Lena Eilers

Dorte Lena Eilers

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Christine Wahl

Christine Wahl

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker