Thema

Wo ist Wir?

Armin Petras im Gespräch mit Nicole Gronemeyer

von und

Bernd Stegemann stellt die Frage nach dem Klassenstandpunkt neu. Er fragt nicht nach dem Proletariat, sondern nach den Eigentumsverhältnissen. Wer lebt von seinem Kapital und wer von seiner Arbeit? Wer sind die Besitzenden und wer die Ausgebeuteten?
Das kann ich total nachvollziehen. Michel Foucault würde sagen, dass das Leben eine Reihe von Schlachten ist. Wir bewegen uns von einem Krieg zu einem anderen in unserem Leben, und Kunst kann uns dabei helfen herauszufinden, auf welcher Seite der Front wir stehen, wofür wir kämpfen und worum es in diesem Krieg geht. Kunst ist vielleicht auch dazu da, herauszukriegen, wo man überhaupt hin muss.

In Ihren Stücken legen Sie historische Schichtungen übereinander, man wandert durch unterschiedliche Epochen deutscher Geschichte. Wie sehr muss man auf Geschichte zurückgreifen, um Gegenwart durchschaubar zu machen?
Ich bin sehr von Müller geprägt, durch diese Idee, dass den Toten das Theater gehört. Für mich war das Zentrale immer zu schauen, wo wir eigentlich herkommen. Wo gibt es da irgendeine Wurzel? Was war vor zwanzig oder dreißig oder hundert Jahren? Ich kann nur so denken. Das ist natürlich total altmodisch und hat auch damit zu tun, dass man sich mit Autoren auseinandersetzt, die oftmals schon ein paar Jahrhunderte tot sind. Das ist manchmal ein offenes, manchmal ein verdecktes Gespräch mit diesen Autoren, und dieses Gespräch soll Leute ermuntern, einzusteigen, zuzuhören, mitzureden. Das hat dann auch wieder mit Erfahrungen und Instinkten zu tun. Wenn ein Text keinen mythischen Kern hat, dann finde ich ihn ganz unsinnlich. Dann ergreift er mich gar nicht. Der einzige Ort, wo wir wirklich frei sind, das ist die Vergangenheit. Und Freiheit ist für einen Autor eine unheimlich wichtige Sache. Wenn ich von Kleist ausgehe, dann ist jeder Satz auch ein Schrei, jedes Tintevergießen ist ein Schrei. Und jeder Schrei kann aufwecken. Ein Schrei kann zu Solidarität aufmuntern, ein Schrei kann im Notfall sogar ermutigen zur Schlacht. Das ist noch keine Praxis, aber die Chance zur Praxis. //

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