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Protagonisten

Aufruhr in Permanenz

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth wird 85. Ein Gespräch mit Thomas Irmer und Cornelia Klauß

von , und

In dieser Komödie (veröffentlicht 2014 als Rowohlt Taschenbuch) spielt Katharina von Bora eine zentrale Rolle neben ihrem späteren Mann Martin Luther. Warum?
Es ist ein Stück über die erste weibliche Revolution in der deutschen Geschichte. Zwölf Nonnen hauen aus dem Kloster ab zu ihrem Idol Martin Luther, drei gehen zurück zu ihren Elternhäusern, aber die anderen gelangen nach Wittenberg. Luther heiratet schließlich etwas widerwillig diese geflohene Nonne Katharina, nachdem er die anderen unter die Haube gebracht hat. Eine unglaublich mutige Tat – Kaiser Karl V. bedauerte später, dass er Luther nicht gleich verbrannt und ihm stattdessen ab Worms freies Geleit gewährt hatte. Katharina und Luther, das ist auch die Geburt des deutschen Pfarrhauses als Wiege der Literatur, wo über Jahrhunderte alte Sprachen und Musik gepflegt wurden und etliche hervorragende Söhne geprägt wurden, wie noch der Pfarrerssohn Gottfried Benn rühmte. Luthers größeres Verdienst – nach dem Thesenanschlag – besteht ja wohl doch darin, dass er für seine Bibelübersetzung die deutsche Sprache erst „machen“ musste. Er ging sogar zu Handwerkern in Eisenach, um sich deren Sprache abzulauschen.

Sehen Sie in dieser weiblichen Revolution Analogien zu heute?
Der Feminismus hat auf der ganzen Linie gesiegt – Frauen sind beruflich selbständig und verdienen eigenes Geld. Das war die erste Befreiung. Die zweite war die Erfindung der Pille. Das ist ein entscheidender zivilisatorischer Fortschritt, was uns alles schon als ganz normal vorkommt. Was nun Luther selbst betrifft, so gilt es, seinen Aufruhr in Permanenz zu würdigen.

Sie sind ein scharfer Kritiker der Politik des Westens gegenüber Russland und warnen sogar vor einem neuen Krieg.
Es sprechen alle Anzeichen dafür, dass die USA einen Feldzug gegen Russland wollen, bei dem allerdings keine der westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs zu schaden kommt, sondern allein Deutschland – womöglich in atomarer Zerstörung. Eine Konsequenz daraus sollte sein, dass Deutschland aus der NATO austritt. Die USA geben nach wie vor einen großen Teil ihres Etats für die Rüstung aus, obwohl es soziale Aufgaben genug gibt. Schon zu Adenauers Zeiten gab es geheime Absprachen, sollte der Kalte Krieg zu einem heißen werden, dann würde Deutschland atomar verschwinden. Manchmal werden die Provokationen nicht einmal öffentlich bemerkt, wenn zum Beispiel dem russischen Agrarminister die Einreise zur Grünen Woche in Berlin verweigert wird – wer ordnet der deutschen Regierung so etwas an?

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