Gespräch

Was macht das Theater, Stefan Stern?

von und

Die hat der Frankfurter sonst nicht?
Frankfurter sind verschlossen, etwas griesgrämig sogar. Man mag nicht unbedingt, was aus der Hauptstadt kommt, und da meine ich nicht mal Berlin, sondern Potsdam. Man will hier seine eigenen Themen haben und seine eigene Sprache sprechen, diese Mischung aus Brandenburgisch, Berlinerisch und etwas Sächsisch.

Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat ist ein großer Topf Suppe über einem Lagerfeuer in einer Oderniederung. Eine abgestandene Flasche Bier, aus der niemand mehr trinken will, ist da auch noch. Dann viel zu viele Mücken im Gesicht; Autan hilft gar nicht mehr. Und schließlich eine ganz große Ruhe und Stille. Man kann hier so weit gucken, 50 Kilometer, bis an den Horizont. In der Stadt kann man immer nur bis zu einer Hauswand gucken, es ist immer ein Haus höher als das, aus dem man schaut, und zum Schluss ist da der Fernsehturm. Hier hat man die Weite in der Landschaft. Und man hat auch die Nähe, den direkten Kontakt zu den Menschen – und damit eine Verbindlichkeit.

In Berlin haben Sie mit wichtigen Regisseuren zusammengearbeitet. Wer hat Sie da besonders geprägt?
Thomas Ostermeier hat mich sehr geprägt. Bei ihm habe ich gelernt, ganz nah an die Leute heranzugehen, ihnen auf die Pelle zu rücken und mich nicht im Wischiwaschi zu verstecken. Wichtig war auch die Textarbeit, das Ringen um Betonungen. Mit Falk Richter bin ich thematisch sehr weit gegangen. Die Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus, mit dem Leben, Lieben und Sterben im Kapitalismus, wird auch für uns weiter wichtig sein.

Die Kapitalismuskritik an der Schaubühne ist oft eine Kritik aus der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft. Würde so etwas auch in Frankfurt (Oder) funktionieren, oder muss man das angesichts der Deindustrialisierungs-Erfahrungen anders angehen als am Ku’damm in Berlin?
Die Mitte liegt hier woanders. Nicht im bürgerlichen Milieu, sondern mehr im proletarischen. Das geht alles direkter zu. Da kann man selbst auch direkter agieren.

Wo soll das Moderne Theater Oderland in fünf Jahren stehen?
Hier soll es sein! Eine kleine Subvention von der Stadt oder dem Land wäre schön. Vor allem wollen wir die Kulturinsel für die Stadt Frankfurt (Oder) sein. //

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Amüsement und Skandal

Das diesjährige Augsburger Brecht-Festival unter der neuen Intendanz von Patrick Wengenroth

Das Kolloquium von Äschnapur

München feiert fünfzig Jahre proT – doch statt eines Symposiums hätte man lieber ein neues Werk von Alexeij Sagerer gesehen

Haus der tausend Probebühnen

Das niederländisch-flämische Theaterkollektiv Wunderbaum entert das Theaterhaus Jena – „Thüringen? Kein Problem!“ lautet ihr Motto

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Dorte Lena Eilers

Dorte Lena Eilers

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Christine Wahl

Christine Wahl

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann