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Was für eine Welt!

Der steirische herbst in Graz arbeitet an neuen kulturellen Kartografien

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Am nächsten Tag betrete ich „SELF“, einen Pop-Up-Store in der Grazer Volksgartenstraße. Eine der beiden strahlenden Verkäuferinnen bietet mir eine Handreinigung an. Ich willige ein und bin schon mittendrin im Verkaufsgespräch. „Dies ist ein besonderes Produkt. Human Soap – eine Seife von Menschen für Menschen.“ Ich befinde mich in der „Schuldfabrik“, einem Projekt von Julian Hetzel. Die Performanceinstallation umfasst noch sechs weitere Räume: Im ersten werden Toiletten zu Beichtstühlen, in denen man sich von seinem individuellen Schuldgepäck befreien kann, im zweiten wohnt man einer Fettabsaugung bei, im dritten werden die Seifen hergestellt. Im vierten erzeugen zwei stumm bleibende, junge Männer an einem Rudergerät den nötigen Strom, im fünften huldigen wir dem Nebenprodukt Schaum, wie er sich auf weißer Fläche, von Ventilatoren angetrieben, zu Kirchenmusik bewegt und im letzten Raum begrüßt uns ein Marketingbeauftragter. Sein Büro und uns trennt eine Glasscheibe; der Kalender steht schon auf 2017. „SELF is an idea. The idea of transformation“, erklärt er uns. Es finde ein Upcycling des Wohlstandsfettes zweier südholländischer Spender statt, indem man ihr überflüssiges Fett zum Bestandteil der SELF-Seife mache, deren Erlös in ein Brunnenbauprojekt in Malawi fließe. Darüber hinaus gehe pro verkaufter Seife eine weitere, zusätzliche Seife nach Malawi. SELF produziere damit kulturellen, ökonomischen und sozialen Wert, und zwar, indem es gemäß der Gleichung Fett ist gleich Energie ist gleich Schuld unsere westliche, kollektive Schuld als Ressource nutzbar mache. Im Sinne der Seifenmetapher heißt das: Dass wir uns als (relativ) gut situiertes, westliches Festivalpublikum mit Kunst, die nicht nur Kunst, sondern auch Entwicklungshilfe ist, von unserer globalen Schuld mit und durch Kunst reinwaschen können. So laufe ich mit SELF im Gepäck alles andere als erleichtert zurück zum Kunsthaus. What a world! //

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