Look Out

Der Doppeltbegabte

Bei dem Regisseur Alexander Eisenach wissen Schriftsteller ihre Romane in guten Händen – weil er selbst ein gefragter Autor ist

von

Am Schauspielhaus Graz übersetzte er im vergangenen Jahr Clemens J. Setz‘ mehr als siebenhundert Seiten starken Roman „Frequenzen“ in eine eigene Bühnenfassung, die dem Buch wie dem Theater Rechnung trägt. Setz gewährte ihm für diese Bearbeitung eine Carte blanche. Eisenach nähert sich dem Stoff gewohnt bildstark, wobei er die unterschiedlichen Wirklichkeits- und Fiktionsebenen des Romans in seine Theaterrealität überführt. Sorgfältig arrangierte Bühnen (u. a. von David Wollenzin) kennzeichnen die Arbeit von Eisenach ebenso wie außergewöhnliche Musikeinsätze. Im Frankfurter Finanzwestern etwa tritt Bernhard Karakoulakis alias Boo Hoo mit eigenen Kompositionen auf. Neben Musik und Bühnenbild fallen die durchdachten, die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen umspielenden Video- und Livekamera-Einsätze seiner Inszenierungen ins Gewicht.

Eisenachs eigene Texte sind dabei dezidiert politisch. In „Der kalte Hauch des Geldes“ verquickt er seine Kritik am Kapitalismus mit einer parodistischen Liebeserklärung an das Wildwest-Genre, während er in seinem von Daniel Foerster uraufgeführten Stück „Der goldene Fleiß“ den antiken Mythos vom „Goldenen Vlies“ mit den Schrecken der Gegenwart überschreibt.

Dass er auch weiterhin als Autor und als Regisseur tätig sein wird, scheint ausgemacht. Am 10. Februar ist am Theater Bonn die von Marco Štorman inszenierte Uraufführung von Eisenachs Stück über einen Aussteiger zur Zeit der Industrialisierung zu sehen: „Der Zorn der Wälder“. Keine zwei Wochen später wird Eisenach dann Camus’ „Die Gerechten“ am Schauspiel Hannover in Szene setzen. Schwer vorstellbar, dass der künftige Intendant des Berliner Ensemble, Oliver Reese, so einen in Berlin nicht zum Zuge kommen lässt. //

„Der Zorn der Wälder“ von Alexander Eisenach hat am 10. Februar Uraufführung am Theater Bonn.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Aus dem Jammertal namens Welt

„Ich kann nichts Positives an Europa entdecken“ – Die moldawische Dramatikerin Nicoleta Esinencu wütet gegen die Ausbeutung Osteuropas

Kaisers Sprechstunde

Wir müssen reden! Bad-Practice-Beispiele aus elf Jahren Junges Theater Freiburg. Eine Bestandsaufnahme für eine produktive Zukunft

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler