Magazin

Depot für widerständige Kunst

Der Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim – ein Zentrum für zeitgenössisches Theater, Performance und Tanz – feiert sein 25-jähriges Bestehen

von

In Mülheim an der Ruhr, gelegen im Zentrum des Ruhrgebiets, eingekesselt von Duisburg im Westen, Oberhausen im Norden und Essen im Osten, liegt eines der wichtigsten Produktionszentren für das freie Theater in Nordrhein- Westfalen: der legendäre Ringlokschuppen Ruhr – Partymeile, Veranstaltungshaus, Talentschmiede, Zentrum für widerständige Kunst – der nun 25 Jahre alt geworden ist. Einen beherzten Fußmarsch vom Stadtzentrum entfernt, etwas versteckt in einem malerischen Stadtpark, durch den hin und wieder von einer nahegelegenen Fabrik der Duft von frischem Waffelteig weht, liegt das unter Denkmalschutz stehende bogenförmige Gebäude, das um die vorletzte Jahrhundertwende als Depot für Dampflokomotiven erbaut wurde.

Ein theoretisch fundierter, basisdemokratisch entwickelter, knallbunter Theaterabend – „Ourstory“ von KGI. Foto Björn Stork
Ein theoretisch fundierter, basisdemokratisch entwickelter, knallbunter Theaterabend – „Ourstory“ von KGI. Foto Björn Stork

Seit einem Vierteljahrhundert ist der Ringlokschuppen Ruhr nun ein Ort für Theater und Tanz, Kultur und Begegnung. Er bietet Künstlerinnen und Künstlern ein Forum und einen Produktionsort. Wie wichtig der liebevoll auch Schuppen genannte Ort für darstellende Kunst jenseits des Mainstreams geworden ist, insbesondere für den künstlerischen Nachwuchs, kann ich vielleicht am besten am eigenen Beispiel veranschaulichen. Denn hier kamen wir Erstsemester der Bochumer Theaterwissenschaft in den nuller Jahren zum ersten Mal mit unbekannten Theatersprachen in Kontakt, die uns maßlos überforderten und unsere Sichtweisen auf das Theater grundlegend erschütterten: René Pollesch, Gob Squad, Monster Truck, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus ergaben sich aber auch Arbeitsmöglichkeiten für uns: In der Mitarbeit bei verschiedenen Theaterproduktionen freier Gruppen wie dem Bochumer kainkollektiv oder Anna Kpok konnten wir uns in diesem offenen Haus (weiter-)entwickeln, ohne dass uns ständig auf die Finger gehauen wurde, ohne Bringschuld, ohne einen Abnahme-TÜV der Leitung vor einer Premiere. So wurde uns zugemutet, krachend zu scheitern, aber auch Erfolge zu feiern. Viele von damals sind bis heute mit erwachsen gewordenen Gruppen im Schuppen zu Gast.

Mit den Jahren hat sich der Ringlokschuppen auch jenseits des Ruhrgebiets einen Namen gemacht: Renommierte Theatermacherinnen und Theatermacher wie die Berliner Gruppe andcompany&Co., die Cocoon- Dance Company aus Bonn oder die polnische Regisseurin Marta Górnicka kehren immer wieder gern nach Mülheim zurück. Regelmäßige Kooperationen, unter anderem mit der Ruhrtriennale, dem Theater Oberhausen, dem Schlosstheater Moers, dem Schauspiel Dortmund, dem FFT Düsseldorf und dem Schauspielhaus Bochum, vernetzen das Haus überregional. Das Impulse Theater Festival hat in Mülheim durch den Schuppen eine feste Spielstätte und ein wiederkehrendes Festivalzentrum.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Unter Kleinstädtern

Das Theater 89, die einstige Ost-Berliner Szenebühne, reist heute durch Dörfer und Städte Brandenburgs

Stille Erosion

Der Autor Lukas Rietzschel über die Theateradaption seines Romans „Mit der Faust in die Welt schlagen“ im Gespräch mit Anja Nioduschewski

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Falk Richter

Falk Richter