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Die Bühne spricht

Katrin Brack über Pollesch, Hitchcock und das Eigenleben ihrer Bühnen. Ein Gespräch anlässlich der Verleihung des Hein-Heckroth-Preises mit Dorte Lena Eilers

von und

Sie bauen Modelle? Das kann man sich bei so flüchtigen Elementen kaum vorstellen.
Ich baue sogar ziemlich große Modelle, eins zu zwanzig. Selbst wenn es nur auf sehr abstrakte Weise möglich ist, die Bewegungen oder Lichtveränderungen zu simulieren. Ich brauche Modelle, muss sie jeden Tage sehen, um zu versuchen, meine Ideen auf den Punkt zu bringen. Das dauert mitunter ziemlich lange. Selbst der Nebel! Da habe ich immer reingeraucht. Damals habe ich noch sehr viel geraucht!

Das wird die Raucher freuen!
Hat es. Bei der Bühnenbildpräsentation mussten alle mitrauchen. Wäre heute so auch nicht mehr möglich (lacht).

Serialität existiert bei Ihnen nicht nur zwischen verschiedenen Bühnen­entwürfen, sondern auch innerhalb eines Entwurfs. Bei „Schande“ treten die Schaufensterpuppen nicht einzeln, sondern in Masse auf.
Mich interessiert das Serielle sehr stark. Wenn etwas in Masse auftaucht, entfaltet es eine andere Wirkung. Ich mag es beispiels­weise auch, wenn ein Schauspieler ein bestimmtes Textfragment mehrfach wiederholt. Ja ich, ja ich, ja ich, ja ich … Da ist man ­zunächst genervt, aber plötzlich entsteht etwas ganz Neues, Unvorhergesehenes.

Wie im absurden Theater. In Ionescos „Die Unterrichtsstunde“ wiederholen die Figuren ständig das Wort Messer, Messer, Messer … bis man irgendwann gar nicht mehr weiß, was ein Messer ist.
Genau, da macht sich das Wort plötzlich selbstständig, fliegt förmlich in die Luft.

Wie empfinden die Schauspieler Ihre Bühnen? Als großen Freiraum? Oder als zu großen Freiraum? In „Carol Reed“ scheinen alle zunächst geschockt, dass sie sich nicht einfach auf ein Sofa setzen können. „Wie sollen wir denn hier drin spielen?“, fragt Birgit Minichmayr.
Natürlich ist man erfreut, wenn man sich auf der Bühne einfach auf ein Sofa setzen kann. Wenn da gar nichts ist, wird es schwierig. Aber die Schauspieler können damit natürlich total super umgehen.

Eine schöne Metapher für das Leben. Statt es sich in vermeintlich gewohnter und damit sicherer Umgebung bequem zu machen, ist es viel spannender, die großen Frei- und Assoziationsräume zu nutzen.
Wobei bei „Carol Reed“ tatsächlich viele Zuschauer dachten, es gebe kein Bühnenbild.

Und dafür bekommen Sie nun auch noch einen Preis. Anfang April wird Ihnen in Gießen der Hein-Heckroth-Preis verliehen. Haben Sie einen Bezug zu dem Namensgeber des Preises?
Ich hatte mich bis dahin noch nicht mit Hein Heckroth beschäftigt. Er hat ja einen Oscar gewonnen für seine Ausstattung für den Film „Die roten Schuhe“. Es gibt ein wunderbares Interview auf YouTube, eine Talkshow in Frankfurt, zu der dann auch Alfred Hitchcock dazustößt …

… auf dessen „39 Stufen“ Tino Hillebrand Sie in „Carol Reed“ gesehen haben will, auf der Flucht, mit dem Bühnenbild unter dem Arm. Hitchcock hat auch, das wird im Stück thematisiert, den MacGuffin erfunden.
Ein Element, das an sich bedeutungslos ist, aber die Handlung entscheidend vorantreibt.

Wie Konfetti. Oder Nebel.
Ganz genau. //

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