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Hacken für das Theater

Die CyberRäuber kreieren Hyperbühnen, in denen sich virtuelle und erweiterte Realität sowie künstliche Intelligenz mit konventionellem Theater verbinden

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Der Zugang zu virtuellen Bühnenräumen erfolgte bislang vor allem über die VR-Brille. Man setzte sie auf, tauchte ins virtuelle Universum ein – und war dann vereinzelt. In den Spielszenen der frühen Arbeiten der CyberRäuber fiel zuweilen auch der hohe Theaterton unangenehm auf. Das VR-Theater konnte seine Stadttheaterherkunft nicht verleugnen.

Interessant wurden die virtuellen Schauspielerkörper und die gesamte virtuelle Architektur visuell vor allem dann, wenn die fotorealistische Illusion aufgelöst und die Struktur der Datenpunkte deutlicher sichtbar wurde. Das Digitale sprang ins Auge. Und das Hirn ergänzte die Lücken. Man fühlte sich an die Wahrnehmungstheorie des polnischen Philosophen Roman Ingarden erinnert. Er sprach von „Unbestimmtheitsstellen“ inmitten des „schematischen Gebildes“ eines literarischen Kunstwerks. Unbestimmtheitsstellen sind nach Ingarden beispielsweise die Augenfarben literarischer Gestalten. Werden sie nicht erwähnt, fülle der Wahrnehmungsapparat des Rezipienten diese Leer- oder Unbestimmtheitsstelle mit einer bestimmten Farbe aus. Ingarden ­bezeichnete dieses Konkretisieren als „eigene mitschöpferische Tätigkeit des Lesers“ – ein früher Hinweis auf die Partizipation der Rezipientinnen und Rezipienten, die in den digitalen Künsten strukturell an Bedeutung gewinnt.

Die Problemzonen ihrer frühen Arbeiten gingen die CyberRäuber in den letzten zwei Jahren mit großer Dynamik an. Beim Jugendstück „Die Biene im Kopf“ von Roland Schimmelpfennig an der Parkaue Berlin (Regie Martin Grünheit) wird das VR-Theater von der Brille befreit. Das Publikum sitzt wieder kollektiv im Raum und beobachtet, wie das Bühnenbild mit der Software Tilt Brush erzeugt wird. Mit einem digitalen Pinsel können Objekte und ­Räume gezeichnet sowie digitale Objekte importiert werden. ­Geradezu magisch entsteht die imaginäre Welt des Protagonisten, der sich in das Dasein einer Biene flüchtet.

Während der Proben zu „Biene im Kopf“ betraten die Cyber­Räuber weiteres Neuland. Auf der Plattform VRChat, einer frei zugänglichen digitalen 3-D-Welt für Avatare – vergleichbar mit ­Second Life –, trat die Mezzosopranistin Jessica Gadani auf. „In all dem Chaos der verschiedenen Avatare herrschte plötzlich Stille. Eine ganze Gruppe von ihnen versammelte sich um sie. Einer malte mit einem Stift sogar eine Bühne um sie. Es entstand auf einmal eine soziale Struktur“, freut sich Karnapke. Es war der Auftakt zu einer Art virtuellem Straßentheater.

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