Gespräch

Was macht das Theater, Angela Richter?

von und

Um WikiLeaks selbst ist es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden. Eigentlich zu Unrecht. Denn in den alten Dokumenten steckt weiter brisantes Material. In welchen Verfahren wurden WikiLeaks-Dokumente eingesetzt?

In Pakistan zum Beispiel gibt es seit 2019 keine Drohnenangriffe mehr. Das ist eine ­Folge der Beweise, die von WikiLeaks kamen. Überhaupt erkennen Gerichte das Material oft an, weil es authentisch ist. Dabei geht es nicht immer um Menschenrechtsverletzungen. In vielen Ländern wurden Leute aufgrund von Korruption entlassen. Oft wusste man schon vorher davon, dank WikiLeaks aber hatte man Beweise in den Händen.

WikiLeaks ist also nicht tot?

Im Gegenteil. Das SecureDrop-Verfahren, das Assange entwickelt hat, wird inzwischen weltweit von achtzig großen Medienunternehmen, die investigativen Journalismus betreiben, genutzt.

Mit SecureDrop können Dokumente anonym der Presse übergeben werden. Wie geht es jetzt mit Julian Assange weiter? Hat er in anderen ­Ländern Aussichten auf Asyl?

Zuerst ist es wichtig, dass er freikommt. ­Mexiko hat ihm Asyl angeboten, für die Zeit nach dem Ende des Prozesses.

Es gibt derzeit einerseits die Forderung nach Transparenz bei Unternehmen und Regierungen, andererseits nach besserem Schutz der Privatsphäre. Wie gläsern soll die Macht sein, wie gläsern der Mensch?

Die Forderung nach totaler Transparenz hat großes revolutionäres Potenzial. Sowohl Assange als auch Snowden fordern, dass die Privatsphäre extrem geschützt werden sollte und dass der Staat so transparent wie möglich ist. Mit größerer Transparenz würde es zu vielen dieser Machenschaften und Menschenrechtsverletzungen gar nicht erst kommen. Das würde ultimativ zu einer anderen Gesellschaft führen. Im Interesse derer, die derzeit die Macht haben, liegt das sicher nicht, denn ihnen dient die Intransparenz zum Machterhalt. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft ändert, sodass die Menschen vielleicht in fünfhundert Jahren auf unsere Zeit schauen, dabei die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und denken: „Oh, wie konnten die nur so ­leben?“ //

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