Gespräch

Was macht das Theater, Mable Preach?

von und

Wie hat das Publikum damals auf diese Erfahrung von Alltagsrassismus reagiert? Gab es danach Raum für Gespräche?

Wir haben nach anfänglichen Überlegungen entschieden, es nicht zu tun. Weil es doch alles wieder weichzeichnet. Es sollte an diesem Ort erst einmal ums Zuhören gehen. Trotzdem gab es Menschen, die sich unbedingt äußern wollten und auch den Weg zu mir gesucht haben. Ich habe dazu immer nur gesagt: „Ihr habt jetzt 45 Minuten einen kleinen Teil dessen erfahren, was Rassismus bedeutet, und könnt diese Situation verlassen. Stellt euch bitte vor, wie es für jemanden ist, der genau das nicht kann.“ Ich habe keine Ressourcen, den Raum für solche Gespräche zu bieten. Dafür gibt es Bücher und Coaches. Ich hingegen bin Künstlerin. Und deswegen mache ich Kunst. Ich bin kein Coach für Antirassismus.

War Ihre Arbeit immer politisch?

Meine ersten Stücke schon. Dann habe ich für mich beschlossen, dass ich in erster Linie jungen Menschen eine Plattform geben und sie ins Theater bringen möchte. Warum gehen sie nicht hin? Weil sie sich selbst nicht sehen. Also habe ich versucht, das zu verändern, eine Mischung zu finden zwischen Entertainment und Education. Aber nach meiner ersten großen Produk­tion mit fünfzig Darsteller:innen auf der Bühne kam das erste Mal Kritik: Wie es sein könne, dass ich als schwarze Frau nicht politisch sei? Gegenfrage: Warum kann eine weiße Künstlerin Fotos von, sagen wir, Federn machen und muss das in keinen Kontext setzen, ich hingegen schon? Inzwischen bemerke ich aber, dass die jungen Menschen, mit denen ich arbeite, an politischen Inhalten Interesse haben. Und da mir das, worüber sie sprechen und was sie zeigen wollen, immer wichtig ist, machen wir es. Ich habe irgendwann für mich selbst gelernt, dass es nicht meine Aufgabe ist, andere weiterzubilden. //

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