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Die soziale Opernplastik

Die Berliner Musiktheater-Erneuerer Dennis Depta und Marielle Sterra erschließen mit dem dritten Opus ihrer „Berlin is not …“-Reihe ungewöhnliche Kunstformen und Publika

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Sterra und Depta denken da viel inklusiver. Allein durch ihre Einladungspolitik ­(siehe Wrestling) kreieren sie ein ganz neues und vielfältiges Publikum, eine Art soziale Opernplastik, die sich aus den verschiedensten städtischen Communitys speist. Workshops an den Nachmittagen fächern Ästhetiken und Publika weiter auf.

So ist es nur konsequent, dass auch das Theater Thikwa, Vorreiter des inklusiven Theaters, gemeinsam mit der Performerin Cora Frost „Siggy“, „Bruni“ und all die ­anderen Figuren des Wagner-Kosmos auf deren Positionen im Machtgefüge abklopft. Auch sie ziehen, ebenso wie die inklusive Party­reihe Spaceship, ein ausgesprochen ­diverses Publikum an, sodass sich vor den drei Bühnen des Festivalgeländes Menschen mit und ohne Behinderung, Wrestlingfans und Theaterjunkies, Rocknerds und Klassikliebhaber fröhlich mischen.

Der vierte große Act des Festivals, der Hip-Hopper, Poet und Performer Black ­Cracker, stieß in wiederum andere Richtungen vor. Er erkundete mit tiefen Basssounds, zwei Tänzerinnen, einem Tänzer und einem Auto an der ehemaligen Tankstelle der ­Fahrbereitschaft die Atmosphäre zwischen töd­licher Gefahr und sterbenslangweiliger ­Realität, die einer solchen Kraftstoffnachfüllstation als Nicht-Ort zwischen Zivilisa­tion und Steppe eigen ist. Er lotete das ­Gewalt- und Dominanzgehabe motorisierten Lebens aus und kommentierte so den Zustand der kriegerischen Hunnen und Burgunder aus Wagners Nibelungen-Tetralogie kurz vor dem Exzess.

„Berlin is not am Ring” war ein immenses Spektakel. Ekstatische Momente vermischten sich mit solchen der Überforderung, gelegentlich auch des Befremdens. Die Mischung aber bot Sinnesreize für viele Wahrnehmungskanäle. Das Format selbst hat Potenzial. Man ist gespannt, welchen Ort und welche Vorlage sich Sterra und Depta für das nächste Volumen auswählen. Menschen, die selbst gern Teil dieser ästhetisch-sozialen Plastik sein wollen, haben sie definitiv gefunden. //

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