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Kolumne

Diversität oder Etikettenschwindel?

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Wo aber Einschaltquoten und Marktwerte darüber entscheiden, was medial momentan „sexy“ ist, ist die Welt des Theaters zum Glück hehreren Zielen gewidmet; in einer Sphäre, deren Aufgabe es geradezu ist, Denkmuster zu hinterfragen und zu durchbrechen, Utopien und Freiräume zu denken, ist bereits seit mehreren Jahren eine Bewegung zu erkennen; ausgelöst durch das Staatstheater Darmstadt, nun etwa Bestandteil mehrerer Häuser – wie auch etwa der Münchner Kam­merspiele, deren Ensemble-Mitglied ich bin, den Zugang und die Teilhabe von Künstler*innen mit körperlicher und kognitiver Behinderung nicht nur als ein Special oder Highlight einer Inszenierung zu verstehen, sondern selbstverständlich zu praktizieren – mit allen Bewusstseinswerdungen auf allen Seiten – vom Zugang zur Ausbildung bis hin in den Berufsalltag.

Mehr als meine nicht-behinderten Kolleg*innen muss ich stets und immer wachsam sein, wofür ich bei jeder einzelnen Szene einstehe, welche Botschaft ich hier vermittle; so können Dramaturgen, Choreografen oder Regisseure noch so versuchen, mir ihre Sichtweise zu rechtfertigen, meine nun langjährige Erfahrung hat mir bewiesen, dass sich meine zuvor empfundene Intuition im Nachhinein stets beim Publikum und in den Kritiken widergespiegelt hat – ob positiv oder negativ.

Ja, ich als Schauspieler muss der Erfahrung des Regisseurs vertrauen. Er muss dies aber genauso!

Wo wird der Anspruch um Gleichberechtigung und Selbstverständlichkeit eingelöst, und wo werden Narrative auf der Bühne erzählt, die sich jedoch nicht in der Realität wiederfinden? Stichwort: Entlohnung!

Wo werden Künstler*innen mit Behinderung tatsächlich genauso entlohnt, haben dieselben Verträge wie ihre nicht-behinderten Kolleg*innen, und wo werden eventuell Konstrukte ge- und benutzt, die etwa einer Gleichbehandlung auch in dieser Form entgegenstehen?

Nein, es geht nicht nur um die Möglichkeit der Teilhabe, es geht um die tatsächliche Einlösung von Ansprüchen, in der es in keinem Bereich eine Diskrepanz zwischen dem gesetzten Etikett der Diversität und der Realität gibt. Das muss und kann nur von denen eingefordert werden, die es betrifft – und welche die beste Expertise hierin haben.

Wir müssen sehr genau darauf achten, inwieweit diese ­Forderungen in der Realität sichtbar und überprüfbar sind – und wo es sich um Etikettenschwindel handelt, Menschen/Künstler*innen mit Behinderung instrumentalisiert werden.

Um an den Eingangssatz der BFFS-Vorsitzenden zu erinnern: ja … und?!?! //

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