Umkämpfte Vielfalt – Das Theater und die AfD (2)

Nachdem die am 21. März 2019 verschickte Pressemitteilung zur April-Ausgabe von Theater der Zeit für einige Zuschriften und Irritationen gesorgt hat, möchten wir im Folgenden auf bereits aufgetauchte Fragen zur Konzeption des im Heft enthaltenen Schwerpunkts „Umkämpfte Vielfalt. Das Theater und die AfD“ eingehen.
 

Theater der Zeit hat sich immer und unmissverständlich gegen rechtes und rechtsextremes Denken und Handeln positioniert. Wir sind für Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit, für die Vielfalt der Ausdrucksformen, für Aufklärung. Nicht zuletzt deshalb hat sich die TdZ-Redaktion angesichts der Attacken seitens der AfD und der Identitären Bewegung gegen Theater und TheatermacherInnen dazu entschlossen, sich in einem Schwerpunkt der April-Ausgabe mit dem derzeitigen „Kulturkampf von rechts“ auseinanderzusetzen und insbesondere die Kulturpolitik der AfD genauer zu betrachten. Weil man seinen politischen Gegner genau studieren sollte.

Auf kommunaler, landes- und bundespolitischer Ebene wird durch AfD-Politiker die Freiheit der Kunst öffentlich infrage gestellt. Parlamentarische Anfragen hinsichtlich der Förderung von Theatern und Inszenierungen, Forderungen nach Subventionskürzungen und Strafanzeigen vonseiten der AfD gegen die Theater und TheatermacherInnen nehmen zu. Es ist eine Strategie der Diskreditierung, Verunsicherung, Störung, Drohung, mit der die AfD gegen ihr unliebsame KünstlerInnen, Theater und Inszenierungen vorgeht.

Unter dem Titel „Umkämpfte Vielfalt. Das Theater und die AfD“ bilden wir die Auseinandersetzungen zwischen Theatern und der AfD ab. Maßgeblich war dafür, beide Seiten des sogenannten Kulturkampfs darzustellen. Dazu gehört zum einen ein Überblick über die bisherigen kulturpolitischen Störfeuer der AfD gegen Theater und TheatermacherInnen, die sich im Zuge dieser wiederholten Attacken untereinander kurzgeschlossen und solidarisiert haben – im Deutschen Bühnenverein wie bei den Vielen. Zum anderen haben wir uns angesichts der vagen identitätspolitisch formulierten Wahlprogramme und populistischen Bundestagsreden der Partei dazu entschlossen, genauer nachzufragen, welche Agenda die AfD hinsichtlich der Theater verfolgt: um anhand konkreter Aussagen unmissverständlich Klarheit darüber herzustellen, was vielleicht in einigen Landesparlamenten, in denen die AfD in kulturpolitische Positionen vorstoßen könnte, auch realpolitisch Gestalt annehmen könnte. Zwar behauptet die AfD, sich für Vielfalt im Kulturbereich einzusetzen, verkündet aber gleichzeitig, politisch eingreifen zu wollen, indem sie bestimmten Theaterformen und -inhalten die Förderung entziehen würde. Der renommierte Politikwissenschaftler Claus Leggewie hat deshalb in einem Streitgespräch mit dem kulturpolitischen Sprecher der AfD im Bundestag, Marc Jongen, konkret nachgefragt und kulturpolitische AfD-Positionen und -Äußerungen dezidiert infrage gestellt. Wir haben die Form eines Streitgesprächs gewählt, weil in diesem die Positionen unmittelbar eine Opposition erfahren, weil es in der Gegenüberstellung beider Seiten die politische Meinungsbildung ermöglicht. Ein weiterer Artikel dieses Schwerpunkts befasst sich mit der Situation in Dresden, da sich dort, wenn auch noch punktuell, Allianzen zwischen AfD und CDU abzeichnen, die mit der anstehenden Wahl 2019 Gestalt annehmen könnten.

Wichtig war uns zudem, KünstlerInnen, die auch jenseits von institutionellen Bündnissen gegen rechts mit ihrer Kunst gegen rechte und rechtsextreme Positionen Stellung beziehen, in unserem Heft ein Forum zu bieten. Das AutorInnenkollektiv Nazis & Goldmund, bestehend aus fünf DramatikerInnen, hat die Entwicklungen der europäischen Rechten seit 2016 kritisch beobachtet und kommentiert. Seit Januar 2019 veranstaltet das Kollektiv im brut Wien und seit März 2019 auch an der Berliner Volksbühne die Diskursreihe „Die Zukunft des Widerstands“. Wir haben das Kollektiv angefragt, Texte, die im Rahmen des Blogs www.nazisundgoldmund.net sowie bei der ersten Veranstaltung entstanden sind, in diesem Schwerpunkt zu veröffentlichen – eingeleitet durch ein Gespräch mit dem Dramatiker und Mitbegründer Thomas Köck. Das Heft präsentiert diese Texte − von Thomas Köck, Elfriede Jelinek und Kathrin Röggla – anstelle eines wie sonst üblichen Stückabdrucks als künstlerische Positionen.

Dass der Abdruck von Wortmeldungen eines AfD-Politikers in Theater der Zeit auf Kritik stoßen könnte, war uns bewusst. Die Redaktion hat Argumente, die ein „Reden mit Rechten“ kategorisch ausschließen, gegen journalistische abgewogen, die auf Informationen und politische Meinungsbildung anhand von konkreten Aussagen zielen.

Die Redaktion
Theater der Zeit
Berlin, 26.03.2019

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