Abschied und Tragödie

Theater der Zeit erinnert an verstorbene Theatergrößen

Die Septemberausgabe der Zeitschrift „Theater der Zeit" zeigt, dass der Tod und das Theater auf vielfache Weise ineinander verschlungen sind. Der Mensch erkennt mit Schrecken, dass er dem Tod mit Logik nicht beikommen kann.

Einziges Heilmittel gegen diesen Schrecken sei die Kunst, schreibt es Nietzsche sinngemäß in „Die Geburt der Tragödie". Schwerpunkte des Heftes bilden die Themen Abschiede und Baustelle Tragödie. Tatsächlich brachte der diesjährige Sommer gleich mehrere Verluste von überragenden Künstlern einer Generation, die den Horizont des Theaters wie wenige erschlossen hatten. In zahlreichen Texten blickt die Zeitschrift für Theater und Politik noch einmal zurück und erinnert an sie: an die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die Tanz und Theater, wie die amerikanisch-libanesische Autorin Etel Adnan schreibt, zu einer nie zuvor gesehenen spannungsreichen Einheit verschmolz; an den Tänzer und Choreografen Merce Cunningham, dessen Bewegungen, Inspirationen und künstlerische Sprache Robert Wilson in einem grafischen Gedicht voll Bewunderung nachzeichnet; an den Schauspielerverführer Jürgen Gosch, der dem Theater die Kunst der Entfesselung zurückgab sowie an den Regieprovokateur Peter Zadek, für den seine Kollegen Peter Stein und Luc Bondy ihre Erinnerungen notierten.

Mit einer ganzen Armada begab sich die Berliner Volksbühne auf der Freilichtbühne Agora am Rosa-Luxemburg-Platz auf die Spur des Tragischen. Ein Triumvirat erfahrener Regiehaudegen führte die Unternehmung an - Frank Castorf, Dimiter Gotscheff und Werner Schroeter. Doch bis auf den Letzten blieben sie lieber gleich im Hafen liegen, als sich dem Ungewissen auszusetzen, und bekamen die Tragödie erst gar nicht in Sicht, wie Gunnar Decker feststellen musste. War das Desaster unvermeidlich?, fragt sich Frank Raddatz und begibt sich anhand der Kartografierungen von Michel Foucault, Heiner Müller und Nietzsches „Geburt der Tragödie" auf die Suche nach dem Kunstwerk der Zukunft. Zwar bietet die Tragödie keinen Trost, kann aber dem Einzelnen helfen, sein Leben zu skandalisieren.

Theater der Zeit - September 2009
EUR 8,00 ISSN 0040-5418 96 Seiten
Abonnenten erhalten mit dieser Ausgabe gratis das Themenheft „Neues Theater in Südafrika" (Im September 2008 war es Chile, 2007 Kanada und 2006 Japan)

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