Sparmaßnahmen in Bielefeld provozieren offenen Brief

In der vergangenen Woche ist in den politischen Gremien die Einsparvorgabe von 600 000 Euro, die die Städtischen Bühnen und Orchester Bielefeld ab 2018 leisten müssen, beschlossen worden. Aus diesem Anlass haben sich die Mitarbeiter des Theaters Bielefeld in einem offenen Brief an den Kulturdezernenten Dr. Udo Witthaus gewendet, in dem diesen ein Vertrauensbruch gegenüber den Mühen des Theaters vorgeworfen wird. Man habe stets versucht unter den auch schon vorher finanziell widrigen Umständen der Stadt entgegen zu kommen und gute Arbeit zu leisten, welche auch stets von der Stadt in Anspruch genommen würde.

Diesen Brief finden Sie hier:

Offener Brief
Bielefeld, 16.02.16


Sehr geehrter Herr Dr. Witthaus,


Sie sind Kulturdezernent und haben die Verpflichtung, die kulturellen Institutionen dieser Stadt zu fördern und zu schützen.

Wir, die Mitarbeiter*innen des Theaters Bielefeld, sind verpflichtet, den Bürgern dieser Stadtein vielfältiges und lebendiges Theater zu bieten. Wir sind ein professioneller Betrieb mit einem professionellen Anspruch. Täglich sind 346 Menschen damit beschäftigt, diesem Anspruch trotz der massiven Kürzungen der letzten Jahre gerecht zu werden. Wir spielen, tanzen, singen, schreiben, rechnen, suchen Lösungen, finden Antworten, wir schrauben, sägen, schweißen, bauen und schleppen Dekorationen, verlegen Kabel, knüpfen Perücken, nähen Kostüme. Das gelingt uns, obwohl die Grenzen der Belastbarkeit dabei oft überschritten werden.

Wir leisten viel, viel mehr als wir müssten. Auch für von Ihnen initiierte Veranstaltungen wie die Kulturgala. Hier stellen wir unsere eigenen Ressourcen zur Verfügung in Solidarität mit anderen Kulturschaffenden. Wir öffnen uns und geben Menschen unseren Raum, unsere Zeit, unsere Kraft. Kindern und Jugendlichen, Senioren, Lehrern, Schülern, Praktikanten, Interessierten, Flüchtlingen, Menschen aus Bethel, 2000 Laientänzern jeden Alters beim Zeitsprung … und … und … und …, nicht zu vergessen, den jährlich weit mehr als 200 000 Zuschauern. Wir sind für unzählige Menschen der Stadt und der Region ein wichtiger, nicht mehr wegzudenkender und hochgeschätzter Ort der Begegnung, des Austauschs, des Ausprobierens, des Staunens und Kennenlernens. Die Stadt profitiert davon.

Wir sind der Politik in diesen Zeiten des Sparens immer entgegengekommen. Wir haben immer wieder die schwierigen Maßgaben erfüllt, haben kreativ, effektiv, erfolgreich und wirtschaftlich transparent gearbeitet. Die Zahlen belegen das. Und wir haben bis zuletzt Vorschläge eingebracht, die schmerzen, aber die Substanz des Theaters nicht vollkommen aushöhlen. Wir haben unsere Arbeit gemacht.

Deswegen war Ihre Haltung zu den erneuten Kürzungen ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeiter*innen des Theaters Bielefeld. Wenn der Finanzausschuss der Stadt sich dem Theater mehr verpflichtet fühlt als der Kulturdezernent, dann läuft etwas falsch!

Wir sind Ihre [Hervorhebung durch die VerfasserInnen] Mitarbeiter, Herr Dr. Witthaus. Wir haben eigentlich ein gemeinsames Ziel. Aber durch Ihr Verhalten ist offenbar geworden, dass Sie an diesem Ziel kein Interesse haben. Sie haben uns gezeigt, wie wenig Sie uns wertschätzen. Sie haben keine Sorgfalt walten lassen, die zu Ihren Aufgaben als unser Schirmherr gehört. Sie haben Aussagen getroffen und Ihr Wort wieder gebrochen. Sie haben unser Vertrauen, das wir Ihnen trotzdem immer entgegen gebracht haben, letzte Woche mit einem kleinmütigen Handstreich und durch Haltungslosigkeit verraten und zunichte gemacht.

Wir stehen hinter unserem Theater und verbleiben in der Hoffnung, dass Sie und die Kulturpolitiker der Stadt Bielefeld den Wert unserer Arbeit für die Stadt und ihre Menschen zukünftig wahrnehmen und vertreten.


Die Mitarbeiter*innen des Theaters Bielefeld

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