Das Theater als transitorischer Raum

Einleitende Bemerkungen zum Verhältnis von Flucht und Szene

von und

1 Wir sagen Dank an den Exzellenzcluster 16 der Universität Konstanz, die die Tagung „Flucht und Szene“ im Juli 2016 wie auch die Finanzierung der Tagung und die des vorliegenden Bandes ermöglicht hat.
2 Sellars, Peter: The Children of Herakles (2004). (https://www.youtube.com/watch?v=a3PrVFMH_Po&feature=youtu.be [zuletzt ges. 13. Oktober 2017]).
3 Terkessidis, Mark/Holert, Tom: Fliehkraft. Gesellschaft in Bewegung – Von Migranten und Touristen, Köln 2005, S. 83.
4 Sellars, Peter: „Foreword“, in: Cox, Emma: Theatre and Migration, Basingstoke 2014, S. viii – xii, S. x.
5 Insofern schließt Flucht und Szene an das Projekt „Kulturelle Poetiken des Auftretens“ (Exzellenzcluster 16) an. Dieses befasste sich mit den Vorkehrungen, derer es bedarf, um eine Figur auf einer Bühne zu etablieren, ihr Bleiben zu sichern und ihr auch dramaturgisch die Stabilität einer identifizierbaren Person zu geben, und mit der Suspendierung der Figuration, die diese im Geschehen auf der Bühne erfährt (vgl. Menke, Bettine: „On/Off“, in: Vogel, Juliane/Wild, Christopher (Hrsg.): Auftreten. Wege auf die Bühne, Berlin 2014, S. 180 – 188; zum Theater der Fliehenden: Vogel, Juliane: „‚Boden bereiten‘. Strategien des dramatischen Prologs“, in: Haas, Claude/Polaschegg, Andrea (Hrsg.): Der Einsatz des Dramas. Dramenanfänge, Wissenschaftspoetik und Gattungspolitik, Freiburg i. Br./Berlin/Wien 2012, S. 159 – 171; Vogel, Juliane: „‚Who’s there?‘. Zur Krisenstruktur des Auftritts in Drama und Theater“, in: dies./Wild (Hrsg.): Auftreten. Wege auf die Bühne, S. 24 – 39.)
6 Vgl. Grethlein, Jonas: Asyl und Athen. Die Konstruktion kollektiver Identität in der griechischen Tragödie, Stuttgart/Weimar 2003, S. 433 ff.; Dreher, Martin: „Hikesie und Asylie in den Hiketiden des Aischylos“, in: ders. (Hrsg.): Das antike Asyl. Kultische Grundlagen, rechtliche Ausgestaltung und politische Funktion, S. 59 – 84; Gödde, Susanne: Das Drama der Hikesie. Ritual und Rhetorik in Aischylos’ Hiketiden, Münster 2000, S. 30.
7 Grethlein: Asyl und Athen, S. 431. Wie Grethlein in seiner Untersuchung zum Asyl im antiken Athen dargelegt hat, ist das auf das Theater getragene Asyl ein „identitätskonstituierendes Motiv“, das den Bürgern die Grundlagen der eigenen politischen Identität vor Augen führt und die demokratischen Entscheidungsprozesse der Stadt in Szene setzt, die zur Aufnahme oder Zurückweisung von ankommenden Fremden führen.
8 Herrmann, Max: „Das theatralische Raumerlebnis“, in: Dünne, Jörg/Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M. 2006, S. 501 – 514, S. 502.
9 Benjamin, Walter: „Masken-Garderobe“, in: ders.: Einbahnstraße, in: ders.: Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 8, hrsg. v. Detlev Schöttker u. a., Frankfurt a. M. 2009, S. 72.
10 Vgl. Aischylos: Die Schutzflehenden, in: ders.: Tragödien, übers. v. Oskar Werner, hrsg. v. Bernhard Zimmermann, Mannheim 2011, S. 147 – 214, S. 150 f., V. 5; Gödde: Das Drama der Hikesie.
11 Aischylos: Der gefesselte Prometheus, in: ders.: Tragödien, S. 469 – 537, S. 473, V. 2.
12 Ebd., S. 505, V. 561.
13 Aischylos: Orestie. Die Eumeniden, in: ders.: Tragödien, S. 397 – 468, S. 417, V. 235 ff.
14 Vogel, Juliane: Aus dem Grund. Auftrittsprotokolle zwischen Racine und Nietzsche, Paderborn 2017, S. 22 – 29.
15 Vgl. Melchinger, Siegfried: Das Theater der Tragödie. Aischylos, Sophokles, Euripides auf der Bühne ihrer Zeit, München 1974, S. 20 – 25, S. 74 – 78, S. 82.
16 Dreher: „Hikesie und Asylie in den Hiketiden des Aischylos“, S. 73 ff.
17 Vgl. zur Unterscheidung der beiden Grundformen ebd.
18 Vgl. Gödde: Das Drama der Hikesie.
19 Vgl. Gould, John: „Hiketeia“, in: Journal of Hellenic Studies 93 (1973), S. 74 – 103, S. 90; Gödde: Das Drama der Hikesie, S. 30.
20 Vgl. Traulsen, Christian: Das sakrale Asyl in der Alten Welt (= Jus Ecclesiasticum 72), Tübingen 2004; vgl. auch ebd., S. 31 ff.
21 Vgl. einführend in die Rhetorik des Agon: Neumann, Uwe: „Agonistik“, in: Ueding, Gert (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Bd. 1, Darmstadt 1992, Sp. 261 – 284; Gödde: „Zwischenräume. Der Zweikampf als Modell des Kriegs in Epos und Drama der griechischen Antike“ (Vortrag bei der Tagung „Kriegstheater. Darstellungen von Krieg, Kampf und Schlacht in Drama und Theater seit der Antike“ am 8. Dezember 2016).
22 Vgl. Meier, Christian: Die politische Kunst der griechischen Tragödie, München 1988, S. 99 ff.
23 Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen (http://www.elfriedejelinek.com/ [zuletzt ges. 15. Oktober 2017]).
24 Ebd.
25 Ebd.
26 Vgl. Menke: „On/Off“, S. 185 ff.; Weber, Samuel: „Vor Ort. Theater im Zeitalter der Medien“, in: Brandstetter, Gabriele/Finter, Helga/Weßendorf, Markus (Hrsg.): Grenzgänge. Das Theater und die anderen Künste, Tübingen 1998, S. 31 – 51, S. 34.
27 Benjamin: „Masken-Garderobe“, S. 71: „Denn die Gemeinschaft aller Toten ist so riesig, daß sogar der, der nur vom Tod berichtet, sie verspürt. ‚Ad plures ire‘ hieß bei den Lateinern sterben.“
28 Shakespeare, William: Hamlet, in: ders.: The Arden Edition of the Works of Shakespeare, hrsg. v. Harold Jenkins, London 1982, S. 165 (I/I), V. 1.
29 Rancière, Jacques: Das Unvernehmen. Politik und Philosophie, übers. v. Richard Steurer, Frankfurt a. M. 2002.
30 Vgl. Jeffers, Alison: Refugees, Theatre and Crisis: Performing global identities, New York 2012, S. 47 ff.
31 Lehmann, Hans-Thies: Tragödie und dramatisches Theater, Berlin 2013, S. 21.
32 Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk, in: ders.: Gesammelte Schriften, hrsg. v. Rolf Tiedemann, Hermann Schweppenhäuser, Bd. 5, Frankfurt a. M. 1982, S. 577 – 580, S. 587 f., S. 591 – 596.
33 Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M. 1997, S. 402 – 452, S. 440.
34 Ebd., S. 440 f. Die Staatenlosen, die „die Anomalie darstell[en], für die das Gesetz nicht vorgesorgt hat“, „verursachen“ „eine genaue Umkehrung des juridischen Systems“, dadurch „daß Menschen, die sich nie eines Vergehens schuldig gemacht hatten, dauernd von Gefängnisstrafen ereilt wurden“, dass „ein Mensch […] sich bereits durch die Tatsache, daß er existiert, strafbar macht“, eine Anomie, deren ‚Normalisierung‘ im Gesetzesverstoß bestünde (ebd., S. 428 f.); Holert/Terkessides: Fliehkraft, S. 81 ff.
35 Mit dieser Frage akzentuiert Cornelia Vismann die Status-Änderung der Flüchtlinge durch die Änderung des Grundgesetzes Art. 16a im Jahre 1993, die vor das vormalig zugebilligte Menschenrecht die bürokratischen Vorbehalte der Dublin-II-Regelungen setzen, vom Zugang zu diesem individuellen Recht aufgrund von bürokratischen Unterscheidungen: Zugangswegen, Erstaufnahmeländern u. Ä. ausgenommen wird (Vismann, Cornelia: „Menschenrechte: Instanz des Sprechens – Instrument der Politik“, in: dies.: Das Recht und seine Mittel. Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Markus Krajewski, Fabian Steinhauer, S. 228 – 252, S. 248).
36 Vgl. Holert/Terkessides: Fliehkraft, Kap. 2 u. 3, S. 51 – 112.
37 Melchinger: Theater der Tragödie, S. 18 ff.; Lehmann, Hans-Thies: Theater und Mythos. Die Konstitution des Subjekts im Diskurs der antiken Tragödie, Stuttgart 1991, S. 31 f.
38 Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher, Frankfurt a. M. 1993, S. 10.
39 Nietzsche, Friedrich: Fröhliche Wissenschaft, in: ders.: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, hrsg. v. Giorgio Colli, Mazzino Montinari, Bd. 3: Morgenröte. Idyllen aus Messina. Die fröhliche Wissenschaft, München 1988, S. 343 – 652, S. 412.
40 Holert/Terkessides: Fliehkraft, S. 112.
41 Vgl. Gerhard, Ute: „Literarische Transit-Räume. Ein Faszinosum und seine diskursive Konstellation im 20. Jahrhundert“, in: Barchet, Michael/Lange, Sigrid (Hrsg.): Raumkonstruktionen in der Moderne. Kultur – Literatur – Film, Bielefeld 2001, S. 93 – 110; Augé, Marc: Nicht-Orte, München 2012.
42 Herrmann: „Das theatralische Raumerlebnis“, S. 509.

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