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Italienisches Theater in Europa

von und

Die zeitgenössische Theatergeschichtsschreibung hat in Anlehnung an Michel Foucaults Überlegungen zur Geschichtsschreibung immer wieder darauf hingewiesen, dass die europäische Theatergeschichte voller Widersprüchlichkeiten ist und keinem linearen, evolutionären Modell folgt1, auch wenn manche Theatergeschichten für sich in Anspruch nehmen, eine solche Entwicklung nachzeichnen zu können. In Italien gestaltet sich die Komplexität auch räumlich, denn während in Frankreich der Theaterbetrieb spätestens ab dem 17. Jahrhundert mehrheitlich zentral organisiert in der Hauptstadt stattfindet, verteilen sich in Italien die Theateraktivitäten – wie alle anderen Kunstaktivitäten – geographisch breit gestreut. Es existieren somit sehr unterschiedlich gelagerte Kultur- und Theaterzentren, abhängig zum einen von den regionalen bzw. sprachlichen Traditionen und zum anderen vom politischen System. Es ist Ludovico Zorzi zu verdanken, erstmals in einer Kulturgeschichte des Theaters die heterogenen Traditionen und Entwicklungen der einzelnen Städte bzw. Fürstentümer herausgearbeitet zu haben.2 Aber auch die einzelnen Städte bzw. Höfe verfügen mitnichten über ein geschlossenes, geschweige denn institutionalisiertes Theatersystem, wie Raimondo Guarino am Beispiel von Venedig dargelegt hat.3

Schlacht bei Ravenna (zeitgenössische Graphik)
Schlacht bei Ravenna (zeitgenössische Graphik)

Das vorliegende Buch präsentiert die Theatergeschichte Italiens in ihrer Vielfalt und dient Studierenden wie Interessierten als Einführungslektüre. Der Schwerpunkt wird auf den Zeitraum vom späten 15. bis zum 19. Jahrhundert gelegt, denn in dieser Zeit konstituiert sich das italienische Theater und strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus. Die wichtigsten Etappen dieser Entwicklung werden in den folgenden Einzeldarstellungen zu spezifischen Theatertraditionen und Aufführungspraxen, Gattungen und Stücken, die das italienische Theater in Italien und Europa in der jeweiligen Zeit besonders auszeichnen, exemplarisch beleuchtet. Der damit gewählte interdisziplinäre Zugang bestimmt so auch die Auswahl der drei Zeitabschnitte, auf die der Band den Schwerpunkt legt: das rinascimentale Theater, der Umbruch vom barocken zum klassizistisch-aufklärerischen Theater sowie die Etablierung eines bürgerlichen Nationaltheaters. D. h. konkret, dass die siebzehn Einzelanalysen Szenarien und Stücke fokussieren, die nicht nur paradigmatisch für eine Gattung stehen, sondern auch auf unterschiedliche Weise die kulturelle und theatrale Praxis der jeweiligen Epoche bestimmt haben. So wurde bewusst auf Beiträge zu Stücken und Autoren wie etwa Federico Della Valle oder Alessandro Manzoni verzichtet, die zwar für die Literatur-, aber nicht die Theatergeschichte repräsentativ sind. Die vorliegende Einleitung möchte zu diesen Einzeldarstellungen, auf deren VerfasserInnen an geeigneter Stelle jeweils in Klammern verwiesen wird, den theater- und epochengeschichtlichen Kontext skizzieren, um eine Einordnung der Einzelbeiträge zu erleichtern.

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