Novoflot

Die 15. Spielzeit

von und

Die Bibel (#1 Der Schrei). Foto Novoflot
Die Bibel (#1 Der Schrei). Foto Novoflot

Die Oper ist ein Gesamtkunstwerk, deren einzelne Bausteine für sich genommen jeweils Kunstgeschichte schreiben. Und sie ist ein Missverständnis. Denn vieles von dem, was die Oper heute auszeichnet, widerspricht den eigentlichen Zielen ihrer Erfinder: eine Wiederbelebung der antiken Ideale. So wollte es die Florentiner Camerata Ende des 16. Jahrhunderts. Die Bourgeoisie Europas jedoch fand ein ganz eigenes Gefallen an dem neu geschaffenen Genre und deutete das einzigartige Potential der Gattung zu Ungunsten seiner Bauteile um: Erkenntnisgewinn bei Liebe, Mord und Totschlag wurde dem unbedingten Willen zur Repräsentation geopfert.

Die Opernkompanie Novoflot, vor sechzehn Jahren in Berlin gegründet, versteht sich als Gegenpol dieser Entwicklung. Oder besser gesagt: als Gegenbewegung. In über 25 Inszenierungen untersuchten die Künstlerinnen und Künstler des frei produzierenden Ensembles die verdeckten Dimensionen der Gattung Oper und setzten das Mosaik der Einzelteile immer wieder neu zusammen. Herausgekommen sind Opernereignisse abseits der scheinbar manifesten Präsentationsform, aufgeführt auf Volksbühnen, Trabrennbahnen, Brachflächen, in Radialsystemen, mobilen Opernhausarchitekturen, versunkenen Kirchen und ehemaligen Fitness-Studios am Berliner Alexanderplatz. Konflikte jeglicher Art waren und sind bei diesen Unternehmungen vorprogrammiert. Laut Duden jedoch bilden sie die Voraussetzung für das Drama.

Die Bibel (#1 Der Schrei). Eric Schaefer, Komi Mizrajim Togbonou. Foto Falko Siewert
Die Bibel (#1 Der Schrei). Eric Schaefer, Komi Mizrajim Togbonou. Foto Falko Siewert

Mit diesem Buch feiert die Opernkompanie um Sven Holm (Regie), Vicente Larrañaga (Musikalische Leitung), Sebastian Bark (Dramaturgie bis 2008), Malte Ubenauf (Dramaturgie seit 2008) und Dörte Wolter (Produktionsleitung) Jubiläum. Und da Rückblicke mindestens ebenso unmöglich sind wie Vorhersagen, trägt das Buch den Titel Die 15. Spielzeit. Das ist natürlich paradox, denn diese Spielzeit steht ja noch bevor. Da Paradoxien aller Art jedoch als zentrale Voraussetzungen für die Vielfalt des 2014 mit dem George Tabori Preis ausgezeichneten Musiktheaterschaffens von Novoflot betrachtet werden dürfen, stimmt der Titel dieses Buches dann doch auf äußerst treffende Weise (vorne und hinten nicht).

Berlin im Mai 2018

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