Das kubanische Theater in seinem Kontext

Übersetzung: Miriam Denger, Carola Heinrich, Franziska Muche

von

Foto: Augustin de Montesquiou on Unsplash
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Das kubanische Theater und seine Geschichte auf wenigen Seiten vollständig abzubilden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hier kann es nur darum gehen, einige markante Punkte herauszugreifen und im kubanischen Kontext zu verorten. Eine Herausforderung, ein Abenteuer – und im besten Falle ein erhellender Leitfaden für interessierte Leserinnen und Leser.

An anderer Stelle (in einer Sonderausgabe Theater der Zeit spezial über Kuba und sein Theater) habe ich bereits ausgeführt, dass die institutionelle Landschaft des kubanischen Theaters der deutschen nicht unähnlich ist. Das mag verwundern, doch Theater wird in Kuba, wie in Deutschland auch, staatlich subventioniert – anders als in den meisten Ländern Lateinamerikas, in denen selbst Gruppen mit internationalem Renommee ohne öffentliche Mittel auskommen müssen.

Kuba jedoch investiert viel in die Arbeit seiner zahlreichen Theaterleute – und das in einem Land mit gerade einmal elf Millionen Einwohnern. Trotz aller Parallelen zwischen kubanischem und deutschem Theatersystem gibt es aber auch wesentliche Unterschiede. Die kubanische Theatertradition ist mit der deutschen nur schwer vergleichbar. Tradition meint hier nicht nur die großen Namen und Werke, sondern vor allem den Platz, den eine Gesellschaft ihrem Theater einräumt. Doch gerade in letzter Zeit häufen sich die Anzeichen, dass Kubas Bühnen sich neues gesellschaftliches Terrain erobern: Die Theater auf der Insel erreichen heute mehr Zuschauer denn je.

Die Höhe der Zuschüsse stellt im Vergleich der beiden Länder einen weiteren wesentlichen Unterschied dar – was wenig überraschen dürfte, angesichts ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Situation. Geld alleine ist aber nicht alles. Entscheidend ist die gesellschaftliche Anerkennung, die Würde der Theaterarbeit. Das wird auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich, nach denen Theaterberufe in Kuba allen anderen Berufen gleichgestellt sind. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die szenischen Künste und das Theater überall im Land lebendig sind – sowohl im Hier und Heute als auch auf lange Sicht – und dementsprechend öffentliche Wirkung entfalten können.

Im Zentrum der Theaterarbeit stehen nicht wirtschaftliche, sondern künstlerische Vorhaben. So werden Theaterkollektive auch nicht von Managern oder Geschäftsführerinnen geleitet, sondern von Künstlerinnen und Künstlern, vorwiegend aus dem Bereich Regie. Die Theaterlandschaft in Kuba setzt sich aus kleinen, mittleren und großen Kompanien zusammen, bis hin zum „Einmannbetrieb“. Zum künstlerischen Stab gehören neben Leitung und Schauspielensemble auch Autorinnen und Autoren sowie Dramaturgie, künstlerische Beratung, Bühnen- und Kostümbild, Bühnentechnik und Verwaltung. Die Gruppen entscheiden selbst, was und wie sie inszenieren wollen. Das Theater entwickelt sich, ausgehend von der Gründung des Theaters La Cueva 1936, hin zum modernen Ensembletheater eines Teatro Estudio, wie Raquel und Vicente Revuelta es 1958 eröffnen. Die kubanische Revolution, die zu Beginn des Jahres 1959 siegt, stellt einen Höhepunkt dieser Entwicklung dar: Dank ihr kann das Theater seinen Radius erweitern, Erfolge und Ideen der zurückliegenden Jahre bündeln und weiter ausbauen.

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