Look Out

Leben, nicht verzweifeln!

Die Berliner Schauspielerin Vidina Popov kann über furchtbare Dinge lachen und wirft sich mit Wucht ins Unbekannte

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Es scheint auf dieser Welt nichts zu geben, was Vidina ­Popov zurückhalten kann. Vor allem auf der Bühne ist das ­unverkennbar. Ob als hyperventilierender Clown in Heiner ­Müllers „Herzstück“, als Hauptfigur in Simon Stephens’ „Maria“ oder grau in grau integriert in ein ­polyfones, einheitliches Schauspielerinnenquartett in „Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden“ von Sibylle Berg. Popov versprüht eine derart unterhaltsame Energie, die zweifelsohne im Gedächtnis bleibt. Die 28-jährige Schauspielerin ist nicht nur kraftvoll und euphorisch, ihr fallen am laufenden Band Dinge ein, die sie in ihrem Leben noch tun oder von denen sie noch erzählen will. Ihre künstlerische Laufbahn lässt vermuten, sie hätte schon dreimal gelebt oder hat mindestens eine Doppelgängerin.

Foto: Jeanne Degraa
                                                                                                   Foto: Jeanne Degraa

Popovs Schauspielkarriere beginnt früh: Als Tochter bulgarischer Eltern wird sie in Wien geboren und besucht dort eine bulgarische Schule. Da sie schon als Kind keine Scheu an den Tag legt, auf andere zuzu­gehen und diese schnell von ­ihren ­Unterhaltungskünsten überzeugen kann, wird sie als Moderatorin für Schulfeste eingesetzt. Eine Regieassistentin des Wiener Volkstheaters wird dabei auf die damals Achtjährige aufmerksam und schlägt sie für die ­Rolle der Tochter in Federico García Lorcas „Mariana Pineda“ vor. Danach geht es zum Fernsehen, als Moderatorin des Kindersenders Confetti TiVi. Als das Leben ernster wird, studiert sie Jura, bricht das Ganze aber schnell wieder ab, um am Salzburger Mozarteum Schauspiel zu studieren. Es folgen das Erstengagement am Landestheater Nieder­österreich in St. Pölten, mehrere Gastrollen am Berliner HAU Hebbel am Ufer, dem Deutschen Theater Berlin und am Theater Erlangen, bis sie sich schließlich für Berlin entscheidet und ihr Engagement am ­Maxim Gorki Theater annimmt. Popov interessiert sich nicht für die klassischen Frauenfiguren. „Ich spiele am liebsten Rollen, in denen ich alles sein kann: derb, lustig, sensibel, aber auch stark – nur weil man weiblich ist, muss man nicht immer leiden.“ Langeweile ist ihre größte Feindin, Komik ihre große Leidenschaft. Nach ihrem Studium besucht sie die Clownschule „Philippe Gaulier“ in Paris. Diese Erfahrung wird ihr in ihrem fulminanten Monolog in „Herzstück“ helfen. Sie spielt einen Clown, der mit vollem Körpereinsatz über die Optimierung des Selbst referiert: Arbeiten, nicht verzweifeln!“ Ohne Punkt und Komma – versteht sich. Geschrieben hat sie den Text selbst.

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