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Eine Stiege für den Kaiser

Rita Czapka wacht als Archivarin über den Wissensspeicher des Burgtheaters Wien – und kennt so manches Geheimnis

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Rita Czapka. Foto Reinhard Werner / Burgtheater
Rita Czapka. Foto: Reinhard Werner / Burgtheater


Die älteste Buchausgabe, die sich im Burgtheaterarchiv ­befindet, ist eine Sammlung von ins Deutsche übertragenen ­Komödien (unter anderem von Molière) aus der Zeit um 1760. Dass sich die Archivarbeit manchmal wie eine „Schatzsuche“ anfühlt, wie es Rita Czapka bezeichnet, verwundert da nicht. Zumal im Fall des Wiener Burgtheaters und seiner langen und wechselvollen Geschichte entsprechend viel zu dokumentierendes Material angefallen ist. Als Theater nächst der Burg existiert es seit dem Jahr 1748. Das Archiv muss also aus allen Nähten platzen und tut es auch, wie die seit 1993 am Haus tätige ­Archivarin bestätigt. Bestände wurden bereits in die Dramaturgie ausgelagert, wo Rita Czapka umringt von dicht befüllten Regalen sitzt. An der Wand hängt ihr Lieblingsfundstück, eine mehrfach vergrößerte Fotografie vom festlich erleuchteten Burgtheater bei der Wiedereröffnung mit „König Ottokars Glück und Ende“ 1955.

Über sich selbst spricht Rita Czapka nicht so gern. Sie möchte – und das gehört wohl zum Berufsbild der Archivarin – lieber nicht im Mittelpunkt stehen. Über ihren Werdegang macht sie kein Aufsehen. Kurzum: Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaften in Wien zog es sie magnetisch ans Burgtheater, wo die turbulente Ära Claus Peymanns bereits Fahrt aufgenommen hatte. Mit liebevoller, warmer Stimme spricht Czapka über die unzähligen Vorstellungen, die sie am Haus ge­sehen hat. Man spürt, wie zugewandt sie dem Theater und dessen Protagonistinnen und Protagonisten war und ist. Und wie sehr sie sich der Geschichte des Hauses gegenüber verantwortlich fühlt.

Rita Czapka ist nicht nur Wächterin eines Theaterschatzes aus Regie-, Soufflier- und Inspizientenbüchern. Im Archiv finden sich Büsten, Totenmasken, Biografien, Fotografien und auch Korrespondenzen, etwa Briefe von Arthur Schnitzler an die Direktion des Hauses. „Ich finde manchmal auch alte Stückfassungen, die noch von Kopisten vervielfältigt wurden, also handschriftlich vorliegen“, sagt sie. Die Gemäldegalerie mit Porträts von Burgschauspielern „aus vier Jahrhunderten“ ist ebenfalls Teil des Archivs.

Zum Archivarinnenwissen gehören auch Anekdoten. Dort, wo sich heute das Archiv befindet, in Räumlichkeiten hinter dem Vestibül, existierte eine Wendeltreppe eigens für den Kaiser, verrät Rita Czapka. Der Kaiser stieg in der Auffahrt aus seiner Kutsche und ging von dort direkt zur Kaiserloge hinauf. Wie praktisch! Bereits am ersten Standort des Burgtheaters am Michaelerplatz verfügte die damalige Kaiserfamilie über einen direkten Zugang von den Privatgemächern der Hofburg zu ihrer Loge.

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