Bühnen Halle veröffentlichen Statements zum Anschlag am 09. Oktober

In einer Pressemitteilung veröffentlichten die Leitungsebenen der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) Statements zum Anschlag am gestrigen höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Das furchtbare Ereignis in ihrer Stadt mache sie fassungslos und sprachlos. Am gestrigen Tag hatte ein schwerbewaffneter Mann versucht, in die Synagoge Halles einzudringen. Dies konnte verhindert werden, jedoch erschoss der Mann daraufhin vor der Synagoge und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss zwei Menschen und verletzte mindestens zwei weitere.

„Die Bühnen Halle trauern mit den Angehörigen der Opfer des Anschlags. Wir ringen um angemessenen Ausdruck und wollen verstehen, warum – gerade als Kulturinstitution: als Oper, Orchester, Schauspiel und Puppentheater“, hieß es in dem Schreiben der TOOH, dem einzelne Statements folgten.:

„Wir sind erschüttert über den gestrigen Anschlag auf die hallesche Synagoge zu Jom Kippur, bei dem zwei Bürger*innen ermordet und weitere Menschen verletzt wurden. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Mit großer Sorge beobachten wir, dass Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus wieder einen breiten gesellschaftlichen Nährboden in Deutschland gefunden haben. Die Grenzen des Sagbaren haben sich bis in die gesellschaftliche Mitte hinein verschoben, zu einer vergifteten Sprache des Hasses und offener Ausgrenzung. Das hierin liegende Gewaltpotential und die Existenz rechtsextremer Strukturen und Netzwerke wurden viel zu lange heruntergespielt, auch weil eine patriotische oder nationalistische Grundhaltung nach wie vor für viele Menschen zum festen Bestandteil ihres bürgerlichen Gedankenhaushaltes gehört. Hier braucht es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Es liegt in unser aller Verantwortung für eine demokratische, offene und vielfältige Gesellschaft einzutreten.“
- In tiefem Mitgefühl Florian Lutz und Michael v. zur Mühlen, Künstlerische Leitung der OPER HALLE

„Wir, die Staatskapelle Halle und ihre Generalmusikdirektorin Ariane Matiakh sind bestürzt. Die Attacke auf die Synagoge und einen Dönerimbiss, der Mord an zwei Menschen waren ein Angriff auf uns alle. Wir können uns wehren und wollen mit unserem musikalischen Auftrag die Zivilgesellschaft darin unterstützen, sich zu positionieren, gegen Engstirnigkeit, Hass und Ausgrenzung. Wir stehen geschlossen für eine vielgestaltige Gesellschaft. Frau Matiakh hat hautnah vor gerade einem Jahr in der Europa-Stadt Straßburg einen ähnlichen Angriff erlebt und die Angst erfahren. Hier wie dort wurde eine ganze Stadt in Geiselhaft der Gewalt genommen. Die kommenden Konzerte am Sonntag und Montag werden Gedenkkonzerte sein. Wir verneigen uns vor den Opfern. Halle bleibt eine offene, eine freiheitliche Stadt.“
- Die Staatskapelle Halle und ihre Generalmusikdirektorin Ariane Matiakh

„Die Zeit der runden Tische mit geistigen Brandstiftern ist vorbei. Wie lange wollen wir es noch zulassen, dass jeder, der sich für Demokratie in unserer Gesellschaft einsetzt, als „…linksversifftes Pack“ beschimpft und diskreditiert wird? Warum riskiert die Gesellschaft einen Bürgerkrieg, dessen Anfänge wir gestern nun auch hier in unserer Stadt hautnah gespürt haben?“
- In tiefer Trauer Matthias Brenner, Intendant des neuen theater und Thalia Theater Halle

„Den gestrigen Tag habe ich in Angst verbracht, denn meine Tochter wohnt an der Synagoge. Ich konnte nicht zu ihr und sie nicht zu mir. Ich bin tief traurig und in Sorge. Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde. Die Spaltung der Gesellschaft durch rechte Hetzer, die Wut, die sich hier blutige Bahn bricht, das beunruhigt mich zutiefst. Besorgte Nachrichten von unseren Partnern aus Paris und Amsterdam zeigen aber auch, dass es eine große Solidarität gibt, überall auf der Welt. Wir müssen zusammen stehen, zusammen rücken, uns Halt geben und Mut machen und uns denen entgegen stellen, die versuchen, Hass zu säen und die Gesellschaft zu radikalisieren.“
- Christoph Werner, Intendant des Puppentheater Halle

„Jedweder Anschlag auf das Leben und die Unversehrtheit eines Menschen ist ein Attentat auf das Prinzip der Humanität, dem die Kunst in ihrem Erbe und ihrer Gegenwart zutiefst verbunden ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TOOH sehen sich in ihrer Arbeit – gleich in welcher Funktion – der Idee eines friedlichen, repressionsfreien und toleranten Miteinanders verpflichtet. Mit dieser Selbstverpflichtung suchen wir mit unseren Bühnenangeboten den Austausch und das Gespräch mit der Stadtgesellschaft, im Sinne einer friedlichen und fürsorgenden Koexistenz aller und mit der klaren Verurteilung jeglicher verhetzender und menschenverachtender Parolen.“
- Stefan Rosinski, Geschäftsführer der Bühnen Halle

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