Theater an der Parkaue veröffentlicht Stellungnahme zu Rassimusvorwürfen

Das Theater an der Parkaue nimmt Stellung zur aktuellen Berichterstattung. Die taz und das neue deutschland berichteten kürzlich über rassistische Vorgänge, die im März 2018 am Jungen Staatstheater Berlin stattgefunden haben. Lesen Sie hier die ungekürzte Stellungnahme:

Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung
THEATER AN DER PARKAUE – Junges Staatstheater Berlin

Das THEATER AN DER PARKAUE und seine Mitarbeiter*innen stehen ein für eine tolerante und vielfältige Gesellschaft. Wir sind, über ein Jahr nachdem die rassistische Diskriminierung von Maya Alban-Zapata stattgefunden hat, immer noch tief betroffen darüber, dass so etwas an unserem Haus möglich war.

Wir verfassen diese Stellungnahme, da in der medialen Berichterstattung über die rassistische Diskriminierung der Eindruck entstehen könnte, dass wir keine Konsequenzen gezogen haben.

Der Schauspieldirektor Volker Metzler wurde für sein Fehlverhalten sowie seine unzureichend wahrgenommene Verantwortung abgemahnt und sein Vertragsverhältnis inzwischen beendet. Uns wurde durch diesen Vorfall deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich mit den Themen Rassismus, Sexismus und Machtmissbrauch auseinanderzusetzen. Wir sehen es als fortwährende Aufgabe an, uns als Institution strukturell und individuell für eine angstfreie und respektvolle Kommunikation einzusetzen, sensibel für alle Formen von Diskriminierung zu sein und Diskriminierungserfahrungen ernst zu nehmen.

Auf der Bühne und in verschiedenen theaterpädagogischen Formaten setzen wir uns künstlerisch und inhaltlich mit den Themen Rassismus und Diskriminierung sowie aktuellen Fragen unseres Zusammenlebens auseinander. Hinter der Bühne arbeiten wir an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Arbeitsstrukturen, der Entwicklung einer konstruktiven Kommunikationskultur und dem Angebot von organisierten Austauschmöglichkeiten.

Um das umzusetzen, fanden und finden Fort- und Weiterbildungen für alle Mitarbeitende statt. So nahmen Intendant und Geschäftsführender Direktor an einer Fortbildung zum Thema »Vertrauensvolles Miteinander schaffen« vom Deutschen Bühnenverein teil. Mitarbeiter*innen der Dramaturgie besuchten den Workshop »DECOLONIZE YOUR MIND – Koloniale Kontinuitäten sichtbar machen!«. Mit der Theaterleitung und den Abteilungsleiter*innen wurde eine zweitägige Fortbildung zum Thema »Der andere Blick – Diversität und Diskurs am Theater« durchgeführt. Es fanden Sensibilisierungsworkshops zum Thema Alltagsrassismus für die gesamte Belegschaft mit dem Mobilen Beratungsteam Berlin statt. Verschiedene Mitarbeiter*innen nahmen und nehmen an Weiterbildungen zu vielfaltssensibler Personalpolitik und Audience Development teil sowie an Kommunikationsschulungen der Verwaltungsakademie speziell für weibliche Mitarbeitende. Halbjährlich findet ein Tag zur Strukturentwicklung für die gesamte Belegschaft des Theaters unter externer Moderation statt.

Wir sind uns bewusst, dass diese Schritte nur der Anfang eines fortdauernden Prozesses sind und wir wollen mit diesen und zukünftigen Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass die aktuell diskutierten Vorfälle nicht wieder an unserem Theater passieren.

Aus heutiger Sicht wissen wir, dass die Aufarbeitung der rassistischen Diskriminierung klarer und die personalrechtlichen Konsequenzen in kürzerer Zeit hätten umgesetzt werden müssen.

Vor allem hätte es unmittelbar zu einer öffentlichen Entschuldigung des Haues kommen müssen. Wir bedauern es sehr, dass der Eindruck entstanden ist, dieser Vorfall würde nicht mit der nötigen Priorität behandelt.

Diversitäts- und Organisationsentwicklungsprozess

Das THEATER AN DER PARKAUE hat sich vor etwa zwei Jahren zu einem internen Diversitäts- und Organisationsentwicklungsprozess entschieden. Im Zuge dessen wurden auch die oben genannten Maßnahmen angestoßen. Außerdem wird das THEATER AN DER PARKAUE durch das Programm »360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« der Kulturstiftung des Bundes gefördert, um Unterstützung bei der organisatorischen Entwicklung auf dem Weg hin zu einem kulturell vielfältigeren Kulturangebot zu bekommen. Antrag und Förderzusage im Rahmen des Fonds 360° erfolgten unabhängig von und vor dem hier genannten Vorfall. Die 360°-Agentin begleitet das Theater seitdem bei seinen Schritten, in Programm, Personal und Publikum eine kulturell vielfältige Stadtgesellschaft einzubeziehen.

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