Geheimnistheater

von

Literatur:
Beyes, Timon (2018), „Surveillance and Entertainment: Organizing Media“. In: Beyes, Timon/Conrad, Lisa/Martin, Reinhold (Hg.), Organize. Minneapolis, in Vorbereitung.
Beyes, Timon/Pias, Claus (2014), „Transparenz und Geheimnis“. In: Zeitschrift für Kulturwissenschaft 8 (2), S. 111–117.
Beyes, Timon/Steyaert, Chris (2013), „Strangely familiar: The uncanny and unsiting organizational analysis“. In: Organization Studies 34 (10), S. 1445–1465.
Caygill, Howard (2015), „Arcanum: the secret life of state and civil society“. In: Dwivedi, Divya/V, Sanil (Hg.), The Public Sphere From Outside the West. London, S. 21–40.
Costas, Jana/Grey, Christopher (2016), Secrecy at Work: The Hidden Architecture of Organizational Life. Stanford.
Crouch, Colin (2008), Postdemokratie. Frankfurt am Main.
Horn, Eva (2007), Der geheime Krieg: Verrat, Spionage und moderne Fiktion. Frankfurt am Main.
Knobloch, Jörn (2017), „Demokratie und Geheimnis“. In: Voigt, Rüdiger (Hg.), Staatsgeheimnisse: Arkanpolitik im Wandel der Zeiten. Wiesbaden, S. 205–224.
Koselleck, Reinhard (1973), Kritik und Krise: Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt. Frankfurt am Main.
Lanchester, John (2017), „You are the product“. In: London Review of Books 39 (16), S. 3–10.
Rancière, Jacques (2010), „Demokratie und Postdemokratie“. In: Badiou, Alain/Rancière, Jacques, Politik der Wahrheit, hg. und übers. v. Rado Riha. Wien, S. 119–156.
Schmitt, Carl (2008), Römischer Katholizismus und politische Form [1923], 5. Auflage. Stuttgart.
Schneider, Manfred (2013), Transparenztraum: Literatur, Politik, Medien und das Unmögliche. Berlin.
Simmel, Georg (1992), „Das Geheimnis und die geheime Gesellschaft“. In: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung [1908], Gesamtausgabe Bd. 11, hg. v. Otthein Rammstedt. Frankfurt am Main, S. 383–455.
Srnicek, Nick (2017), Platform Capitalism. Cambridge.
Thrift, Nigel (2011), „Lifeworld Inc – and what to do about it“. In: Environment and Planning D: Society and Space 29 (1), S. 5–26.
Voigt, Rüdiger (2017), „Arcana Imperii. Das Staatsgeheimnis als Instrument der Arkanpolitik“. In: Voigt, Rüdiger (Hg.), Staatsgeheimnisse: Arkanpolitik im Wandel der Zeiten. Wiesbaden, S. 5–30.
Weber, Max (1972), Wirtschaft und Gesellschaft [1921], Studienausgabe, 5., rev. Auflage, hg. v. Johannes Winckelmann. Tübingen.
Zuboff, Shoshana (2015), „Big other: surveillance capitalism and the prospects of an information civilization“. In: Journal of Information Technology 30, S. 75–89.

[1] Für Rancière (2010) ist Postdemokratie daher kein gesellschaftlicher Zustand, sondern eine spezifische Regierungsweise, die das Politische „zwischen den Mühlsteinen der wirtschaftlichen Notwendigkeit und der rechtlichen Regel zerreiben“ würde (S. 143) und die man eher eine „aufgeklärte und kontrollierte Oligarchie nennen könnte“ (S. 155). Unter den Bedingungen „wuchernder Verrechtlichung“, „verallgemeinerter Expertenpraktiken“ sowie „der ständigen Meinungsforschung“ gründet der Staat, wie der Philosoph formuliert, auf der Fähigkeit, „die gemeinsame Unfähigkeit zu verinnerlichen“ (S. 147).
[2] Das Lateinische kennt unterschiedliche Begriffe und damit Seinsweisen des Geheimnisses: Ist das secretum „das unsichtbar Gemachte“ und „Getarnte“, das zu entschlüsseln ist, so bezeichnet das arcanum Verborgenes oder Weggeschlossenes, dessen Weitergabe verboten ist (mit dem Begriff der Arkanpolitik klingt daher die Unverfügbarkeit des Staatsgeheimnisses an, siehe unten zur dritten Geheimnisebene der arcana imperii). Der dritte Typ des mysterium betont hingegen „das Nicht-Wissbare, das religiöse oder kultische Geheimnis“, das nicht verraten werden kann (Horn 2007: 105–107).
[3] „– so daß man“, fährt Simmel fort, „auf die paradoxe Idee kommen könnte, das menschliche Zusammensein bedürfe unter übrigens gleichen Umständen eines bestimmten Maßes von Geheimnis, das nur seine Gegenstände wechsle: indem es den einen verlasse, ergreife es den anderen, und erhalte unter diesem Tausch ein nicht geändertes Quantum“ (S. 411).
[4] Wie sich diese Apparate unter totalitären Bedingungen paranoid aufblähen können, wurde von Rimini Protokoll bereits mit dem „Stasiakten-Stück“ 50 Aktenkilometer untersucht und – ebenfalls über das Mittel der Fernsteuerung mit Kopfhörer und Tonspuren – im Stadtraum aufgeführt (Beyes u. Steyaert 2013).
[5] In ähnlicher Stoßrichtung hat John Lanchester unlängst in der London Review of Books reflektiert, wie Facebooks Geschäftsmodell primär auf Überwachung basiert. Das Unternehmen habe sich in kürzester Zeit zur „größten überwachungsbasierten Unternehmung der Menschheitsgeschichte“ aufgeschwungen (Lanchester 2017: 8).

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