Tanz fördern

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Wann beginnt eine Tänzerkarriere? Sehr früh. Die meisten Menschen haben tänzerische Qualitäten, spätestens sobald sie die Leidenschaft für das Laufen entdecken. Wer kennt nicht die verblüffenden Tänze eines Kindes, das aufsaugt, was an Musik oder Rhythmus in der Welt ist, hochkonzentriert und mit großer Wachheit begeistert Bewegung erkundet? Wir scheinen in den ersten Jahren viel zu erlernen. Aber auch manches zu verlernen. Wo bleiben die Potenziale und der Bewegungsdrang, wenn nicht weiter dazu ermutigt wird, wenn sie nicht von Anfang an Raum erhalten? Ob sich daraus eine professionelle künstlerische Tänzerlaufbahn, eine Leidenschaft für das Sehen von Tanzstücken, ein Hobby oder einfach ein souveräner Mensch entwickelt, entscheidet manchmal der Zufall – aber auch das Angebot.

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch „Für die Kinder von gestern, heute und morgen“, 2002. Foto: Bettina Stöß
Tanztheater Wuppertal Pina Bausch „Für die Kinder von gestern, heute und morgen“, 2002. Foto: Bettina Stöß

Förderstrukturen im Tanz müssen daher sehr früh ansetzen. Das gilt mit Sicherheit für Kunst insgesamt. Es gilt für Wissenschaft und Bildung. Der frühe Start sollte ein Spiel sein. In unserer Leistungsgesellschaft wird er leider zunehmend zur unabdingbaren Voraussetzung. Eine Künstlerlaufbahn braucht die Förderung und Begleitung in allen Phasen. Das fängt an mit dem Raum für spielerisches Entdecken und dem Angebot von handwerklicher Kompetenz schon für Kinder. Denn Kinder wollen sich mit Wort, Bewegung, Bild oder Klang ausdrücken. Und sie merken, dass ihnen dies mit ein bisschen Technik noch viel aufregender und komplexer gelingt. Dann folgen Jugendprojekte, danach die Ausbildungswege an den Hochschulen und Akademien, Experimentier- und Lernfelder für den Start in die Berufslaufbahn, Theater und Produktionshäuser, in den Ensembles der freien Szene oder an festen Häusern, national und international. Und fast zeitgleich sind Fortbildung und Unterstützung im zweiten Berufsfeld notwendig – denn für viele Tänzerinnen und Tänzer ist mit rund 35 Jahren der Übergang in eine andere Berufspraxis die Regel, sei es die Choreografie, die pädagogische Tätigkeit oder ein ganz anderer Beruf.

Anhand der biografischen Entwicklung von Tänzerinnen und Tänzern, Choreografinnen und Choreografen soll hier ein Überblick über die Strukturen der Tanzförderung in Nordrhein-Westfalen skizziert werden. Denn das „Tanzland NRW“ hat eine bundesweit einmalige Struktur im Bereich des zeitgenössischen Tanzes. Diese ist international vernetzt, und fast alle Arbeitsbereiche sind multinational besetzt. Kern dieser Struktur sind unter anderem die Folkwang Universität der Künste in Essen sowie das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, dessen spartenübergreifende Arbeit die darstellenden Künste in den vergangenen vierzig Jahren entscheidend verändert hat. Kern sind auch die kommunalen Theater, die mit ihren Ballettund Tanzensembles immer wieder international renommierte Ballettintendantinnen und -intendanten hervorgebracht haben, und die starke freie Tanzszene.

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