Tanz fördern

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Die rasante Entwicklung im zeitgenössischen Tanz in Nordrhein-Westfalen seit Ende der 1980er Jahre ist auch ein Ergebnis der verbesserten finanziellen Förderung und einer Reihe ergänzender struktureller Maßnahmen. Die bundesweit beachtete und teilweise von anderen Bundesländern übernommene Tanzförderung wurde im „Tanzkonzept NRW“ durch das Kulturministerium der Landesregierung zusammengefasst und kontinuierlich im Austausch mit den Akteuren weiterentwickelt. Danach liegt neben der Absicherung und Erhöhung der bisherigen Förderung das Schwergewicht auf der dreijährigen finanziellen Unterstützung von jeweils vier bis sechs von einer Jury ausgewählten Spitzenkompanien, auf der Schaffung weiterer Tanzzentren, dem Aufbau der Service-Agentur iDASNRW (International Dance Artist Service), der Unterstützung beim internationalen Austausch, dem Modellprojekt Take-off: Junger Tanz und verstärkten Aktivitäten im Bereich Tanzvermittlung sowie Tanz und Schule. Es geht insbesondere darum, alle Bereiche der öffentlichen Förderung, Beratung und Rahmensetzung in ein sich konstruktiv ergänzendes Paket von Einzelmaßnahmen zu verweben. Um einen blühenden Garten zu haben, muss man die Erde auflockern, säen, pflegen, für Humus und Wasser sorgen, zugleich Raum geben und Wildwuchs zulassen.

An der Tanzförderung sind unterschiedliche Ministerien und Ressorts der Landesregierung beteiligt: das Kulturministerium, das Wissenschaftsministerium mit den Hochschulen und auch der Städtebau etwa bei der Umnutzung historischer Industrieareale für das Choreographische Zentrum PACT auf dem Weltkulturerbe Zollverein in Essen oder für das tanzhaus nrw in einem früheren Straßenbahndepot in Düsseldorf. Auch innerhalb des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport werden Projekte der kulturellen Bildung durch die Kulturabteilung mit Großprojekten wie „Kulturrucksack NRW“, „Jeki“ oder „Kultur und Schule“ sowie durch die Kinderund Jugendabteilung gefördert.

Die Basis für kulturelle Bildung ist eine Unterstützung der Kunst, sei es über die Ensembleförderung an den kommunalen und Landestheatern oder über freie Produktionsstätten und Kompanien. Ohne Kunst keine kulturelle Bildung.

Ich kehre zum Anfang der Laufbahn zurück. Viele große Modellprojekte der Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit Kunst wurden in den letzten Jahren in NRW auf den Weg gebracht, einige spartenübergreifend, einige speziell in der darstellenden Kunst. Das Modellprojekt Take-off: Junger Tanz wurde am tanzhaus nrw initiiert im Rahmen von Tanzplan Deutschland der Kulturstiftung des Bundes und ab 2011 durch die Förderung von Stadt, Land und Stiftungen verstetigt. Es gibt Kooperationen mit der Oper und dem Schauspiel Düsseldorf, mit dem FFT und der Tonhalle Düsseldorf, mit Schulen, Hochschulen und Kindergärten.

Für den Tanz war die Gründung und Förderung der Bundesinitiative Tanz in Schulen 2005, angegliedert an das nrw landesbuero tanz, und die damit eng verbundene Gründung des Bundesverbandes Tanz in Schulen eine entscheidende Weichenstellung. Mit Fördergeldern aus dem Kinder- und Jugendförderplan, der kulturellen Bildung und für künstlerische Projekte konnte dieses Modellprojekt initiiert werden. Mit großem Erfolg bis heute. Zuletzt wurde mit dynamo eine regionale Tanzplattform für Schulprojekte neu etabliert. Wer einmal zugeschaut hat, wenn ganze Klassenverbände, Jungen wie Mädchen, sich gegenseitig ihre Tanzprojekte zeigen, der wird die Sinnhaftigkeit von Tanz im Schulkontext nicht mehr bezweifeln.

Das Arbeitsfeld der kulturellen Bildung basiert auf solchen Potenzialen künstlerischer Arbeit. Dazu kommt die Notwendigkeit der Öffnung unserer Kultureinrichtungen für alle Bürgerinnen und Bürger. Denn wir brauchen auch morgen ein Publikum. Wer in seiner Jugend die Kraft künstlerischer Arbeit erlebt hat, wird später auch leichter den Weg in die Theater, Museen und Konzertsäle finden. Kulturelle Bildung ist generationsübergreifend und nicht nur auf Angebote für junge Menschen fokussiert. Man kann sie zumindest in drei Bereiche unterteilen: in die musisch-ästhetische Praxis, das Erlernen von künstlerischem Handwerk, spielerisch und didaktisch, und die Rezeption von Kunst mit allen dazugehörigen Vermittlungsformen. Und nicht zuletzt ermöglichen die Kinder- und Jugendprojekte für einige die Basis und die Begeisterung für eine professionelle Laufbahn.

Damit kommt der nächste Förderbereich ins Spiel. NRW hat mit der Folkwang Universität der Künste, dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und dem Institut für Tanz und Bewegungskultur an der Deutschen Sporthochschule Köln drei wichtige, bundesweit und international relevante Tanzausbildungsinstitute. Dazu kommen die Studiengänge für Musik, Medien, Bühnenbild oder Theaterpädagogik. Denn der Tanz ist ein Labor der Künste und ein wichtiges Innovations- und Experimentierfeld, so etwa aktuell mit Performance und Live Art.

Nach der Ausbildung sind Arbeitsfelder für die ersten Schritte und die Entwicklung der eigenen Berufspraxis notwendig. Die tägliche Arbeit und das Training sind unabdingbare Voraussetzungen, um die erworbenen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

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