Tanz fördern

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Hier existieren durch die starke Förderung der freien Szene und der Ensembles an den festen Häusern gute Bedingungen. Bundesweit – neben Berlin – einmalig ist die freie Projektförderung für Choreografinnen und Choreografen. Insgesamt gehen rund sieben Millionen Euro jährlich spartenübergreifend in freie Theater- und Tanzprojekte, Ensembles und Institutionen. NRW hat als einziges Bundesland durch die kontinuierliche Förderung zwei herausragende freie Produktionsstätten: PACT Zollverein in Essen und das tanzhaus nrw in Düsseldorf. Sie sind Produktionsstätten für zahlreiche Künstler aus NRW, bundesweit und auch international, ausgezeichnet vernetzt mit wichtigen Produktionspartnern und Hochschulen in der ganzen Welt. Dazu kommen die spartenübergreifenden Produktionshäuser, die mit Landesförderung und durch Unterstützung der Kommunen Tanz präsentieren und produzieren. Teil der Tanzkonzeption NRW ist die Stärkung von sogenannten Mittelzentren, aktuell in Bonn, Mülheim, Münster und Krefeld, was die Intensivierung ihrer Arbeit als Plattform für die gesamte freie Szene NRW, den Austausch sowie neue Vernetzungsformen ermöglicht. Dazu kommen die Förderung des internationalen Austauschs, des Exports zur Unterstützung herausragender Gastspiele von nordrhein-westfälischen Ensembles und Kooperationen.

Über die direkte Landesförderung hinaus werden die darstellenden Künste durch wichtige Landeseinrichtungen und Stiftungen finanziell mit unterstützt. So ist die Kunststiftung NRW ein wichtiger Förderer besonderer und international ausstrahlender Tanzprojekte. Grundsatz der Stiftung ist es, „zu mehr Wagnis und Qualität in Kunst und Kultur herauszufordern“. Die beiden NRW Kultursekretariate in Wuppertal und Gütersloh ermöglichen im Verbundnetzwerk von Kommunen und Kultureinrichtungen ebenfalls innovative Projekte und Festivals. Sie tragen zur Qualifizierung des Angebotes im großen Flächenland NRW bei und schaffen Synergien durch die Kooperationsprojekte. Diese Arbeit wird durch Projektmittel aus jährlichen Zuwendungen aus dem Kulturetat des Landes NRW unterstützt.

Exzellenzbildung wird ermöglicht durch die Spitzenförderung von derzeit insgesamt sechs Kompanien, die für einen Zeitraum von drei Jahren jährlich 65 000 Euro erhalten. Die Choreografen Raimund Hoghe, Ben J. Riepe und Gudrun Lange aus Düsseldorf, das Ensemble Renegade aus Herne/Bochum, die Ensembles bodytalk mit Yoshiko Waki und MOUVOIR mit der Choreografin Stephanie Thiersch aus Köln erhalten diese nachhaltige Förderung. Angie Hiesl als Grenzgängerin mit Arbeiten im urbanen Raum erhält die Spitzenförderung über den Theaterbereich. Die CocoonDance Company in Bonn kann über die institutionelle Förderung hinaus eine eigene Jugendkompanie aufbauen. NEUER TANZ um den Foto- und Videokünstler VA Wölfl in Düsseldorf steht für die kontinuierliche Förderung einer stark herausgehobenen Position in der internationalen Tanzlandschaft. Exzellenzförderung erfolgt insbesondere über die Förderung der kommunalen Theater und damit der zehn kommunalen Tanzensembles. Ihre Finanzierung liegt in NRW traditionell überwiegend in der Hoheit der Kommunen. Internationale Künstlerinnen und Künstler arbeiten hier, die Tanzwelt ist global vernetzt. Der Ballettchef Martin Schläpfer an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg ist sicher aktuell einer der Künstler mit internationaler Relevanz.

Mit Bridget Breiner und dem Ballett im Revier gibt es in NRW wieder eine hervorragende Ballettintendantin. Auch in Münster ist die Kompanie mit Hans Henning Paar erfolgreich gestartet, das Tanztheater Bielefeld unter Gregor Zöllig, das Ballett Dortmund unter Xin Peng Wang, und die erfolgreiche Kompanie am Theater Hagen sind weitere Publikumsmagnete. Diese Kompanien umfassen insgesamt circa 500 Tänzerinnen, Tänzer und Organisationsmitarbeiter. Das Land gibt zweckgebundene Betriebskostenzuschüsse für hervorgehobene Ensembles und fördert Jugendprojekte wie etwa Zeitsprung von Gregor Zöllig in Bielefeld. Auch wird ab 2014 mit dem NRW Juniorballett am Theater Dortmund eine entscheidende Schnittstelle zwischen Ausbildung und Beruf neu initiiert. Ähnlich wie im Musiktheater spiegeln die Tanzkompanien der Stadttheater die Realität globaler Produktionszusammenhänge. Herausragende internationale Choreografinnen und Choreografen sind zu Gast und damit eine wichtige Visitenkarte für das Tanzland NRW.

Mit dem Internationalen Tanzfestival NRW fördert die Landesregierung in Kooperation mit den Städten Wuppertal, Essen und Düsseldorf eines der wichtigsten internationalen Festivals in Deutschland. Neben weiteren Tanzfestivals zeigt das Präsentationsforum tanz nrw aktuell im biennalen Rhythmus und in Kooperation mit acht Städten die wichtigsten freien Tanzensembles aus NRW. Förderung erfolgt neben der direkten Tanzförderung auch spartenübergreifend, etwa durch die regionale Kulturpolitik. Als herausragendes Beispiel sei hier das große Community-Dance-Projekt Tanz OWL mit vielen Partnern in Ostwestfalen genannt. Die Kultur Ruhr GmbH ist Trägerin des internationalen Festivals Ruhrtriennale, das regelmäßig Tanz programmiert, und des Projektes Tanzlandschaft Ruhr am Choreographischen Zentrum PACT Zollverein.

Ein wichtiger Motor für die Entwicklung, Lobbyarbeit und Veröffentlichung von Tanzkunst ist die 1992 gegründete Gesellschaft für Zeitgenössischen Tanz, die 1995 das erste deutsche Landesbüro Tanz eingerichtet hat. Neben kulturpolitischen Kongressen hat das Büro die internationale tanzmesse mit kulturwirtschaftlicher und internationaler Bedeutung etabliert und eine Vorreiterrolle für Tanz in Schulen übernommen. Abschließend sei die Rolle des Landes bei der Initiierung innovativer Förderformate zwischen Bund und Ländern genannt. Als bevölkerungsreichstes Land mit einer starken freien Szene hat NRW sich insbesondere bei der Gründung von NPN (Nationales Performance Netz) engagiert. Mit den Bereichen Gastspiele, Koproduktion und Internationales hat NPN die Produktion und Präsentation von Tanz national und international entscheidend verbessert. Dazu kommt seit 2013 die vom Dachverband Tanz Deutschland ins Leben gerufene gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Kommunen zur Stärkung des Tanzes. Insbesondere für die herausragende Arbeit von Ensembles und Produktionshäusern, zur Entwicklung neuer Archivmodelle sowie für den internationalen Austausch könnte über die Kooperation ein Quantensprung bewirkt werden.

Denn schließlich heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung: „Auch die Förderung des Bundes für die innovative und international ausstrahlende Kunstform Tanz soll im Dialog mit den Ländern fortgesetzt und im Rahmen eines zeitgemäßen, nachhaltig wirkenden Förderprogramms weiterentwickelt werden.“

Aus S. 16-23

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