- Anzeige -

Ein sozialistisches Faust-Bild

von

53 1908 hält der sozialdemokratisch engagierte Max Grunewald den Vortrag „Goethe und die Arbeiter“ und feiert ihn als „Verherrlicher der Arbeit und der Tätigkeit.“ Vgl.: Mandelkow: Goethe in Deutschland. A. a. O., Bd I.: 1773–1918, S. 251.
54 Vgl.: Ehrlich, Lothar; Mai, Gunther (Hrsg.): Weimarer Klassik in der Ära Ulbricht. Köln, Weimar, Wien 2000. Einleitung und Klappentext.
55 Jürgen Rühle kritisiert, das, „was die Kommunisten Marxistisch-Leninistische Ästhetik nennen“, habe „mit Marxismus verhältnismäßig wenig zu tun.“ In: Rühle, Jürgen: „Die Partei und die Kunst. Marxistisch-Leninistische Kulturpolitik“. In: Lieser-Triebnigg, Erika; Mampel, Siegfried: Kultur im geteilten Deutschland. Berlin 1984, S. 11–25. Es fehlt an dieser Stelle der Raum, dieser Problematik gerecht zu werden.
56 Lenin, W. I.: Parteiorganisation und Parteiliteratur. In: http://www.marxists.or/deutsch/archiv/lenin/1905/11/literatur.htm. Vgl: Vietor-Engländer, Deborah: Faust in der DDR. Frankfurt a. M. 1987, S. 1.
57 Vgl.: Haase, Horst u. a.: Die SED und das kulturelle Erbe. Orientierungen, Errungenschaften, Probleme. Berlin 1988, S. 18–24.
58 Der sogenannte Proletkult der frühen 1920er Jahre setzt auf eine weitgehend autonome Arbeiterkunst, die sich von bürgerlichen Vorbildern möglichst vollkommen zu emanzipieren habe. In Reaktion auf dieses Ideengut antwortet Lenin jedoch mit einer eigenen Konzeption des Bildungswesens und fordert: „nicht E r f i n d u n g einer neuen Proletkultur, sondern Entwicklung der besten Vorbilder, Traditionen und Ergebnisse der bestehenden Kultur vom Standpunkt der marxistischen Weltanschauung […] her.“ Vgl.: Vietor-Engländer: Faust in der DDR. A. a. O., S. 4.
59 Ebd.
60 Ebd.
61 Erbe, Günter: Die verfemte Moderne. Die Auseinandersetzung mit dem „Modernismus“ in Kulturpolitik, Literaturwissenschaft und Literatur der DDR. Opladen 1993, S. 37.
62 Ebd., S. 38.
63 Jäger, Manfred: Kultur und Politik in der DDR. Ein historischer Abriß. Köln 1982, S. 33.
64 Becher, Johannes R.: „‚Das große Bündnis.‘ Rede auf dem I. Unionskongress der Sowjetschriftsteller.“ (1934). Zitiert nach: Vietor-Engländer: Faust in der DDR. A. a. O., S. 9.
65 Vietor-Engländer: Faust in der DDR. A. a. O., S. 8.
66 Gerd Dietrich erinnert in diesem Zusammenhang an die These der Kommunisten, die bürgerlichen deutschen Revolutionen von 1918 und 1848 nun in der DDR vollenden zu wollen. Vgl.: Dietrich, Gerd: „‚Die Goethepächter‘. Klassikmythos in der Politik der SED“, S. 154. In: Ehrlich; Mai: Weimarer Klassik in der Ära Ulbricht. A. a. O., S. 151–174.
67 Vietor-Engländer: Faust in der DDR. A. a. O., S. 11.
68 Hall, Stuart u. a.: Modernity and its futures. A. a. O., S. 291.
69 Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. A. a. O., S. 18.
70 Ebd., S. 58.
71 Politisch kalkulierte Identitätskonstruktion kann wohl immer nur in gebrochener Form, nämlich modifiziert durch die Effekte ihrer eigenen Anwendung, wirksam werden.
72 Dietrich: „Die Goethepächter“. A. a. O., S. 156.
73 Ebd., S. 157.
74 Vietor-Engländer: Faust in der DDR. A. a. O., S. 20.
75 Dietrich: „Die Goethepächter“. A. a. O., S. 160.
76 Vgl.: Langewiesche, Dieter: „Kulturelle Nationsbildung“. A. a. O.
77 Becher, Johannes R.: Der Befreier. Rede, gehalten am 28. August 1949 im Nationaltheater Weimar zur zweihundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Johann Wolfgang Goethe. Berlin 1949, S. 52. Bechers Rede versteht die sozialistische Bewegung als Erben des humanistischen Ideals der deutschen Klassik. Der klassischen Literatur soll nun endlich auch die „klassische Politik“ (S. 27) folgen.
78 Becher: Der Befreier. A. a. O., S. 49.
79 Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 42.
80 Rede anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Leipzig am 24. Juli 1958. Zitiert nach: Ehrlich, Lothar: „‚Faust‘ im DDR-Sozialismus“. In: Möbus, Fank u. a. (Hrsg.): FAUST. Annäherung an einen Mythos. Göttingen 1996, S. 332.
81 Mandelkow, Karl Robert: Goethe in Deutschland. Rezeptionsgeschichte eines Klassikers. München 1989. Bd. II.: 1919–1982, S. 206.
82 Vgl.: Mandelkow: Goethe in Deutschland. A. a. O. Bd. II., S. 198.
83 Lukács, Georg: Goethe und seine Zeit. Bern 1947, S. 186.
84 Vgl. auch: Hammerthaler, Ralph: „Die Position des Theaters in der DDR. Ein Essay“. In: Hasche, Christa u. a.: Theater in der DDR. Chronik und Positionen. Berlin 1994, S. 170 ff.
85 Abusch, Alexander: „Faust – Held oder Renegat in der deutschen Nationalliteratur. Zu Hanns Eislers ‚Johann Faustus‘“. In: Bunge, Hans: Die Debatte um Hanns Eislers „Johann Faustus“. Eine Dokumentation. Berlin 1991, S. 47–61.
86 Vgl.: Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 43.
87 Schlenker, Wolfram: Das „Kulturelle Erbe“ in der DDR. Gesellschaftliche Entwicklung und Kulturpolitik 1945–1965. Stuttgart 1977, S. 60.
88 Karten- und Anrechtspreise werden niedrig gehalten. In Sammelvorstellungen werden Bauern, Arbeiter und Angestellte regelmäßig und organisiert in die Theater gebracht. Vgl.: Verdalle, Laure de: Das Theater in der DDR und sein Publikum: Rückblick auf eine zweideutige Beziehung. http://www.melissa.ens-cachan.f/IMG/pdf/Das_Theater _und_sein_Publikum.pdf [19.01.2013], S. 2 f.
89 Irmer, Thomas; Schmidt, Matthias: Die Bühnenrepublik. Theater in der DDR. Berlin 2003, S. 7.
90 Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 12.
91 Vgl.: Hammerthaler: „Die Position des Theaters in der DDR“. A. a. O., S. 178 ff.
92 Ebd.
93 Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 14.
94 Auch nach dem Mauerbau 1961 bedeutet das z. B. die Möglichkeit, auf Gastspielreisen die DDR zu verlassen.
95 Als prominentes Beispiel eines derartigen Vorgangs sei die Umsiedlerin-Affäre um den jungen Heiner Müller und seinen Regisseur B. K. Tragelehn genannt. Müller wird nach der Uraufführung seines „reaktionären Machwerks“ aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, Tragelehn in die Produktion geschickt. Vgl.: Irmer; Schmidt: Bühnenrepublik. A. a. O., S. 66
96 Hammerthaler: Die Position des Theaters in der DDR. A. a. O., S. 173
97 vgl.: Weber, Herrmann: Geschichte der DDR. München 1999, S. 156 f.
98 Eisenstadt, Shmuel Noah: „Die Konstruktion nationaler Identitäten in vergleichender Perspektive“. In: Giesen, Bernhard (Hrsg.): Nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Frankfurt a. M. 1991, S. 22.
99 Egon Monk inszeniert die Aufführung als Schüler Brechts. Öffentlich kommt später vor allem Monks Lehrer als Autor des Regiekonzepts in die Kritik.
100 Vgl.: Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 44–52.
101 Ebd., S. 142.
102 Abusch reagiert durch die schon zitierte Programmschrift. Vgl.: Abusch: „Held oder Renegat“. A. a. O.
103 Schließlich hatte Eisler die Hymne für den neuen Staats bereits 1949 unter großem Beifall abgeliefert.
104 Mahl, Bernd: Goethes Faust auf der Bühne. Fragment – Ideologiestück – Spieltext. Stuttgart/Weimar 1999, S. 198.
105 Städtisches Theater Leipzig (Hrsg.): „Faust. Der Tragödie erster Teil. [Programmheft]“. Spielzeit 1962/1963. Heft 22. Leipzig 1963. In: Holtzhauer, Helmut: Arbeiterbewegung und Klassik. Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar 1964–1966. Weimar 1964, S. 361.
106 Ulbricht, Walter: Rede auf der 11. Tagung des Nationalrates der Nationalen Front des demokratischen Deutschland in Berlin am 25. März 1962. Zitiert nach: Mandelkow, Karl Robert: Goethe im Urteil seiner Kritiker. Dokumente zur Wirkungsgeschichte Goethes in Deutschland (1773–1982). Bd. IV, S. 426.
107 Michaelis, Rolf: „Theater heute in Ostberlin“. In: Theater heute. Das 100. Heft. 12/1968.
108 Mandelkow: Goethe in Deutschland. A. a. O. Bd. II., S. 228.
109 Adolf Dresen in: Lennartz, Knut: Vom Aufbruch zur Wende. Theater in der DDR. Seelze 1992, S. 71.
110 Vgl.: Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik: Akte AIM 364/84. Das DDR-Theater war an Schlüsselpositionen von Mitarbeitern des MfS durchsetzt, die bereits in den 1950er Jahren detaillierte Auskünfte zu internen Vorgängen an den Bühnen weitergegeben haben. Diese Problematik kann und wird im Rahmen dieser Arbeit dort berührt werden, wo sie in direktem Zusammenhang zum Problemkomplex steht.
111 Rischbieter, Henning (Hrsg.): Durch den eisernen Vorhang. Theater im geteilten Deutschland 1945 bis 1990. Berlin 1999, S. 161.
112 Vgl: Stuber: Spielräume und Grenzen. A. a. O., S. 234.
113 Jäger: Kultur und Politik in der DDR. A. a. O., S. 182.
114 Kühn, Ulrich: „Eine Brust voller Seelen. Faust als DDR-Intellektueller auf Identitätssuche“. In: Bayerdörfer, Hans-Peter: Im Auftrieb: Grenzüberschreitungen mit Goethes Faust in Inszenierungen der 90er Jahre. Tübingen 2002, S. 55.
115 Die berühmt gewordene Erklärung: „Wir treten aus unseren Rollen heraus.“ Vgl.: Görne, Dieter: Wolfgang Engel inszeniert Goethes FAUST am Staatsschauspiel  Dresden 1990. Band 2 – Materialien. Berlin 1991, S. 173.

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Christine Wahl

Christine Wahl

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Dorte Lena Eilers

Dorte Lena Eilers

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels