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Radek Rychcik

geboren 1981, gehört zu den interessantesten Regisseuren seiner Generation. Sein Theater ist oft ironisch, zugleich aber gewissermaßen anti-intellektuell, eher inspiriert aus Bildern, Musik und Emotionen denn aus Diskursen. Sogar wenn Rychcik über die aktuellen Themen der polnischen Theaterszene spricht – Geschichte, Macht, Identität –, dann auf seine eigene, anarchische Art und Weise, die man mit der Verrücktheit eines Rockstars vergleichen kann. Für Łysek z pokładu Idy (Das Pferd Lysek vom Idaschacht, 2010) wurde Rychcik mit dem Laur-Konrada-Preis ausgezeichnet, einem der bedeutendsten polnischen Theaterpreise. Łysek, aufgeführt in einem ehemaligen Minenschacht im postindustriellen Wałbrzych, ist die freie Adaptation eines altmodischen Kinderbuches über die Freundschaft zwischen einem Grubenpony und einem Bergarbeiter. Ein wichtiger Bezugspunkt für Radek Rychcik sind die Legenden der US-amerikanischen Popkultur. In Diabeł (Teufel, 2013) am Stettiner Teatr Współczesny lässt er Lynchs Twin Peaks und Kubricks The Shining auf eine Parodie von Žižeks Lacan‘scher Psychoanalyse des Films treffen – um so eine Art fiktiven Essay über Angst, Sexualität und Kino zu schaffen. Rychciks Inszenierung Dziady (Ahnenfeier, 2014) am Teatr Nowy in Poznań war der furchtlose Versuch, den Text von Adam Mickiewicz, das wichtigste Nationalpoem der polnischen Romantik, in eine universelle Vorstellungswelt zu übersetzen. Polnische Verschwörer, inhaftiert im zaristischen Russland, wurden hier mit dem immergültigen menschlichen Freiheitsbestreben der Unterdrückten kurzgeschlossen – und der fiktive romantische Held Konrad wurde als Martin Luther King dargestellt. Auch Marilyn Monroe, JFK und erneut Charaktere aus den Filmen Stanley Kubricks waren auf der Bühne zu sehen. Rychcik hat keine Angst vor Naivität, freien Assoziationen und Bühnenchaos – wenn es nur zu einer energiegeladenen Bühnensituation führt, die emotional berührt. Für Parallele Leben schuf Rychcik zusammen mit dem Dramaturg Tomasz Kireńczuk Follow Me über Oberst Józef Schiller und die Schauspielerin Ada Grudziński. Schiller war einst ein außergewöhnlich ehrgeiziger Offizier der polnischen Geheimpolizei SB in Krakau, der dort Fälle der katholischen Intelligenz bearbeitete. Grudziński ist eine französische Witold Mrozek 78 Jüdin polnischer Herkunft, die Tochter des Dissidenten Mieczyslaw Grudziński, der nach der Verhängung des Kriegsrechts 1981 nach Frankreich floh. Diese zwei Menschen, die sich im wirklichen Leben nie begegnet sind und wahrscheinlich nicht einmal voneinander wussten, treffen in der fiktiven Welt von Follow Me aufeinander – wo Ada Grudziński sich selbst spielt.

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