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Julia Holewinska

geboren 1983, schreibt Dramen und adaptiert Texte für die Bühne. Sie studierte Theaterwissenschaft an der Theaterakademie in Warschau. Nach ersten dramatischen Versuchen fand sie in Fremdkörper [Ciala obce] (2010), ihrem reifen Debüt, zu einer eigenen Sprache und Form. Mit ihrem Stück gewann sie den Dramatikerpreis Gdynia. Es wurde mehrfach übersetzt und unter anderem in Irland, Spanien und Deutschland aufgeführt. Unter Holewinskas Dramen gibt es sowohl persönliche Texte über die Erfahrungen einer Generation wie Die Bubblegumrevolution [Rewolucja balonowa] (2011), Kinderstücke wie Socken und Lockenwickler [Skarpety i papiloty] (2013), ungewöhnliche Biografien wie Krzywicka/Blut [Krzywicka/Krew] (2013) und Kalkstein/Schwarze Sonne [Kalkstein/Czarne slonce] (2016) als auch Neufassungen alter Motive der Popkultur wie Good Night Cowboy (2015). Julia Holewinska arbeitet außerdem als Dramaturgin, die klassische Dramen wie Tennessee Williams’ Die Katze auf dem heißen Blechdach oder Romane wie Emily Brontës Sturmhöhe und Gustave Flauberts Madame Bovary adaptiert. Ihre Texte werden zumeist von Kuba Kowalski inszeniert.
Fremdkörper verbindet die Geschichte der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen mit der individuellen Geschichte einer Geschlechtsumwandlung. Das Stück zeigt die polnische Transformation nach 1989 als einen harten Kampf um individuelle Freiheit innerhalb einer konservativen, katholischen und patriotischen Gemeinschaft, die bis vor Kurzem noch solidarisch gegen das kommunistische System gekämpft hat. Die mit dem Buchstaben A gekennzeichneten Textpassagen, in denen die Heldin als Adam auftritt, spielen in den achtziger Jahren, während die mit dem Buchstaben E markierten Teile des Stücks, in denen aus Adam Eva geworden ist, sich etwa zwanzig Jahre später ereignen. Das Stück zeigt den politischen Wandel als einen symbolischen Wechsel von einer männlichen Ordnung, die sich auf Macht, Kampf und Hierarchie beruft, hin zu einer weiblichen Ordnung, die eine neue Sprache und neue Aspekte in die öffentliche Sphäre einführt – den Körper, das Private, Empathie. Daher gibt es im Drama zwei Chöre, einen männlichen und einen weiblichen, sowie eine Heldin in zwei Gestalten: als Adam und Eva. Für die Enthüllung ihrer wahren Identität und die Geschlechtsumwandlung zahlt sie einen enormen Preis: Sie wird aus der Familie und dem Freundeskreis verstoßen, öffentlich gedemütigt, aus den Geschichtsbüchern gestrichen. Gleichzeitig wird dadurch die fundamentale Frage gestellt, auf welchen Werten die Gesellschaft heute gründen sollte.
Dieses symbolische Theaterstück wurde von der authentischen Geschichte des Solidarnosc-Aktivisten Marek Holuszko inspiriert, der in den achtziger Jahren während des Kriegszustandes eine der wichtigsten Untergrundorganisationen in Warschau leitete. Im freien Polen beschloss er, sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Heute tritt sie als Ewa Holuszko öffentlich auf und engagiert sich politisch.

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