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Václav Havel

(1936–2011) wuchs in einer bekannten Prager Familie von Intellektuellen und Unternehmern auf, die eng verbunden war mit dem tschechischen politischen und kulturellen Geschehen der zwanziger bis vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Im Jahr 1948 ergriffen die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei und Havel durfte als Kind einer „bourgeoisen“ Familie nach dem Pflichtschulabschluss nicht weiter studieren. Nach der Rückkehr vom zweijährigen Wehrdienst arbeitete er als Bühnentechniker, zuerst im ABC-Theater und ab dem Jahr 1960 im Divadlo Na zábradlí (Theater am Geländer). In den Jahren 1962 bis 1966 absolvierte er ein Fernstudium der Dramaturgie an der Theaterfakultät der Akademie der musischen Künste und beendete sein Studium mit einem Kommentar zum Stück Eduard, der später zur Grundlage des Stückes Ztížená možnost soustředění (Erschwerte Möglichkeit der Konzentration) wurde. Seit seinen Zwanzigern publizierte Havel Artikel und Studien in verschiedenen literarischen und theaterbezogenen Zeitschriften. Im Theater am Geländer wurden seine ersten Theatertexte aufgeführt, unter denen Zahradní slavnost (Das Gartenfest, 1963) einen elementaren Platz einnahm. Diese Inszenierung wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Erneuerungstendenzen der Gesellschaft der sechziger Jahre. Das dritte große Stück von Havel aus den sechziger Jahren war Vyrozumění (Die Benachrichtigung, 1965), das den Machtkampf in einem Amt schildert, wo auf Beschluss des übergeordneten Organs die Kunstsprache ptydepe eingeführt wird. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings infolge der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Pakts trat Havel gegen die politische Unterdrückung auf, die bezeichnend für die Jahre der kommunistischen Normalisierung war. Der Höhepunkt seines Wirkens war die Veröffentlichung der Charta 77 im Januar 1977, die der Bewegung des protestierenden Teils der tschechoslowakischen Bevölkerung sowohl ihren Namen als auch ihre Charakteristik gab. Václav Havel war einer der Begründer dieser Initiative und einer ihrer ersten drei Sprecher. Im April 1979 wurde er Mitbegründer des Komitees für die Verteidigung zu unrecht Verfolgter. Für seinen zivilen Widerstand wurde er insgesamt dreimal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis. Während der gesamten Ära der Normalisierung waren seine Stücke an den offiziellen Bühnen verboten, die geheime Premiere seiner Žebrácká opera (Bettleroper) im Jahr 1975 führte zu einer Verfolgung der Beteiligten. Viele seiner berühmten Theaterstücke, wie Audience (Audienz, 1975), Vernisáž, (Vernissage, 1975), Largo Desolato, 1984, Pokoušení (Versuchung, 1985), oder Asanace (Sanierung, 1987), sah er oftmals erst nach Jahren uraufgeführt – in der Tschechoslowakei wurden sie im samizdat-Eigenverlag als Audioaufnahmen verbreitet (auch mit schauspielerischer Beteiligung des Autors). In Buchform publiziert und offiziell aufgeführt wurden sie nur im Ausland. Sein Stück Das Schwein entstand 1987 und wurde erst im Jahre 2010 in Brünn uraufgeführt. Von Anfang an war Havel eine der führenden Persönlichkeiten des Samtenen Revolution des Jahres 1989. Am 29. Dezember 1989 wurde er als Kandidat des Bürgerforums zum tschechoslowakischen Präsidenten gewählt. Nach dem Zerfall des Tschechoslowakei 1993 wurde er Präsident der eigenständigen Tschechischen Republik, der er zwei Amtsperioden lang bis Februar 2003 blieb. Als Mitgründer der Stiftung Václav und Dagmar Havel VIZE 97 unterstützte er eine Reihe von humanitären Gesundheits- und Bildungsprojekten. Im Jahr 2007 wurde sein Stück Odcházení (Abgang) uraufgeführt, das erste und einzige, das er nach dem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt schrieb. Havel selbst bereitete anschließend die filmische Adaptation vor, die 2011 Premiere hatte. Im Dezember desselben Jahres starb Havel im Alter von 75 Jahren in seinem Wochenendhaus im ostböhmischen Hrádeček.

Stand: 2018 (Datum der letzten Veröffentlichung bei Theater der Zeit)

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